ARD, Donnerstag, U. Januar, "Der perfekte Mord"

ZDF, Donnerstag, 14. Januar, Journalisten fragen – Werner Höfer antwortet"

Eine lange Gespensterstunde, dieser Fernsehabend am 14. Januar, und es sieht so aus, als wollten die Wiedergänger nicht so bald Ruhe geben.

Werner Höfer, jüngst wegen seiner Nazi-Vergangenheit öffentlich angegriffen und vom WDR entlassen, stellte sich den Fragen seiner Kollegen Karasek, (Spiegel), Romann (NDR), Vernet (Le Monde) und der Kollegin Carola Stern. Da saß der Greis in seinem Panzer aus Alter und Starrsinn und rief den Moderator an. "Herr Appel, wo bin ich hier?" Es konnte, nach Lage der Dinge, nur ein Tribunal sein.

Die Ankläger Karasek und Romann wollten mit Höfer gar nicht rechten über das, was er damals getan hat, sie wollten von ihm nur hören, daß er es getan hat. Aber Höfer griff, stur-Heil, nach allen Ausflüchten und beschönigenden Formeln, welche die in diesen Dingen geübte bundesdeutsche Rhetorik bereithält. Zum millionstenmal wiederholte er, auf seine Person zugeschnitten, die Formel von den verführten apolitischen Volks-Trotteln, die nicht wußten, wie ihnen geschah. Ins Theater ist er gegangen, Angst hat er gehabt, Verträge hat er erfüllt. Und seine Karriere in der Bundesrepublik, die ist ihm aufgedrängt worden.

Am Fall Höfer ist, wie das zu sein pflegt mit "Fällen", weniger Höfer interessant als die Tatsache, daß die BRD jahrzehntelang einen Exnazi als Top-Journalisten gehätschelt hat. Sie bricht mit diesem Geist der drei weisen Affen, wenn sie den Mann nun doch drankriegt – und sei er noch so alt und verdient. In der Zufälligkeit eines solchen "Falls" und in der Tatsache, daß viele, die Schlimmeres getan haben, davongekommen sind, liegt eine Ungerechtigkeit. Die aber wiegt leicht im Vergleich zu dem ungesühnten Unrecht, und nirgendwo in der Welt kann ein Täter durch den Umstand entlastet werden, daß andere, üblere, unbehelligt blieben.

Carola Stern, die Verteidigerin, führte mit dem "Recht auf politischen Irrtum" die Verharmlosungsstrategie fort. Gerade sie, die selbst ihren "Irrtum" öffentlich eingestanden hat, hätte wissen müssen, worauf es hier ankam: zu klären, daß es eben kein Irrtum, sondern eine Überzeugung gewesen war, die Höfer handeln ließ. Die falsche, wie er und wir heute wissen. Aber damals die seine.