Arik Brauer, dem prominenten Vertreter des Wiener Phantastischen Realismus, gelingt das scheinbar Unmögliche. Aus einem Ernstfall aktiven Umweltschutzes, der Konfrontation mit Interessengruppen und Staatsgewalt, entstand ein künstlerisches Bilderbuch.

„Grüne“ Umweltschützer, darunter Arik Brauer, bewahrten die unter Landschaftsschutz stehende Stopfenreuther Au bei Hainburg an der Donau vor der Vernichtung durch ein geplantes Wasserkraftwerk. Im Dezember 1984 kam es zu spektakulären Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Daraus machte Brauer ein ebenso politisches wie poetisches Kunstwerk.

Auf zehn Farbtafeln mit scheinbar naiven Vierzeilern erschließt sich dem Betrachter ein bunt verfremdeter Konflikt, phantastischer Realismus im wahrsten Sinne des Wortes.

Wunderbare Gestalten hat Brauer geschaffen – Symbole politischer Positionen, die jedem, der sie betrachtet, mit einem Lächeln im Gedächtnis bleiben. Die männlichen und weiblichen „Ritter von der Reutenstopf“ tragen vielfarbige, blütenfaltige Gewänder und grüne, gewächsartige, dem Himmel zustrebende Kopfbedeckungen. Blumenluftballons in den Händen, bewegen sie sich würdevoll in Sommer- und Winterlandschaft. Schreitend, musizierend, singend und kochend wehren sie Schläge ab, entziehen sich dem Schmerz durch Strohpolsterung, verharren in mittelalterlich anmutenden Zelten.

Ebenso beeindruckend hat Brauer die Gegenpartei – Elektrizitätswirtschaft, Polizei und drohendes Kraftwerk – gemalt. Aus einem mißgestalteten, Ruß spuckenden Betonklotz stürzt ein schraubenfüßiges verkabeltes Ungetüm mit Säge statt Hirn. Es trägt einen roten Reiter, dessen Kopf eine blaue Mattscheibe ersetzt: „Es klingt aus seinem Kotzophon das Hohelied vom Klotzbeton“. Im grünen Sack saust ein brauner Knüppel über die Köpfe der unbewaffneten Blütenritter.

Der zur Mäßigung aufrufende „Ballhausthron“, Symbol des Österreichischen Bundeskanzleramtes am Ballhaus-Platz, erscheint als in vielerlei Rottönen schimmerndes, mit Blüten und Telephon geschmücktes Phantasiegebilde vor seriös grauschwarzer Bürokratie-Kulisse.

Doch am Ende knospen Ritter wie Klotzbeton, und Brauer kann verschmitzt in Aussicht stellen: „Jetzt ist der Friede nicht mehr weit.“