DIE ZEIT

Nichtig

Allmählich erinnert es an das Spiel mit dem Gänseblümchen: Wackersdorf darf gebaut werden – darf nicht – darf. Seit der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in der vorigen Woche entschieden hat, der Bebauungsplan für die Wiederaufarbeitungsanlage im Taxöldener Forst sei nichtig, heißt es wieder: darf nicht.

Wetterschaden

Die vielbesungenen zwei Brettln kamen in dieser Saison noch nicht ins Rutschen, weil bislang kein g’führiger Schnee fiel. Die Pisten blieben grün, die Kassen leer, die Wintersportler wurden um ihr liebstes Vergnügen, die Liftbetreiber um ihren Gewinn gebracht – vom Wettergott.

Ein gutes Ende - kein neuer Anfang?

Gelinde Verzweiflung war angebracht, Empörung auch – und nun macht sich Erleichterung breit. Lenkt Ost-Berlin ein? Verzweiflung: Da hatten wir gehofft, das SED-Regime im anderen Deutschland habe jene stalinistischen Unterdrückungsmethoden endgültig hinter sich gelassen, denen es seine Einsetzung verdankt und sein Überleben in den Jahren des Kalten Krieges.

Aufgegeben

Manchmal sei er ungerecht, ungeduldig oder zu laut. Aber er sei 62, kaum noch umzumodeln „und auch nur ein Mensch“. Hans-Jochen Vogel nach dem Rücktritt des Parteisprechers auf die Frage, wie er sich selbst als Chef beurteile: moderat selbstkritisch, aber keineswegs reuiger Sünder.

Zweierlei Wege

Strauß unterläuft und karikiert Bonns Südafrika-Politik, Strauß gibt Kohl und Genscher der Lächerlichkeit preis, und dies auch noch auf Staatskosten, denn er reiste mit einer Maschine der Bundesluftwaffe und überdies in Begleitung eines Bonner Staatssekretärs.

Zeitspiegel

Ein Problem im mittelamerikanischen Friedensprozeß haben die Regierungen bislang ausgeklammert: Was geschieht mit den Flüchtlingen? In den vergangenen zehn Jahren sind rund eine halbe Million Menschen vor den Bürgerkriegen, den Armeen und der Guerilla in Nachbarstaaten geflohen; der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge betreut und versorgt zur Zeit etwa 120 000 Menschen.

Kirche im Revier: Werben für die Sache der Kumpels

Seine schwarzen Schafe sind ihm die liebsten: Für die Kumpel, die mit einem Gemisch aus Schweiß und Kohlenstaub auf der Haut aus der Grube zu Tage fahren, setzt sich der Ruhrbischof seit nunmehr dreißig Jahren ein.

Willkommen im Westen

Vor meiner Tür tummeln sich Presseleute, Radiomenschen und Fernsehteams, eben klingelte einer von der Presseagentur: „Wo ist Krawczyk? Herr Biermann, Sie müssen doch wissen, wo er sich aufhält.

Wolfgang Ebert: Der neue Außenminister

Natürlich stellt sich sofort die Frage: Wie macht sich der aus Bayern stammende Mann – er ist dort nebenberuflich Ministerpräsident – in seinem heiklen Amt? Kohls Entschluß, ihm den schwierigen Posten anzuvertrauen, war bekanntlich sehr umstritten.

Gegen Reagan und den Zeitgeist

Noch sorgt die politische Vor-Börse für Verwirrung, verunklaren Meinungsumfragen und Meinungsmacher den Marktwert der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur.

Nahost: Dem Frieden eine Gasse

Nun hoffen sie wieder in Washington. Vielleicht, so rechnen sich die immer noch optimistischen Nahost-Strategen in der amerikanischen Hauptstadt aus, hat der Aufstand in Westjordanien und im Gaza-Streifen doch auch einen positiven Effekt, trotz all dem Schrecken der letzten zwei Monate: daß in die seit über einem Jahr festgefahrenen Bemühungen um eine Gesamt-Friedensregelung für den Nahen Osten noch einmal Bewegung kommt.

Griechenland – Türkei: Neuer Anlauf

Grieche sucht Türken, Türke sucht Griechen: Im Schneetreiben von Davos haben sich Andreas Papandreou und Turgut Özal in der vergangenen Woche gefunden.

In Uganda gibt es immer noch Krieg mit Rebellen. Die einstige "Perle Afrikas" kommt nicht zur Ruhe: Zehn Plagen und kein Ende

Busia, der staubige Grenzübergang, der den ugandischen Busch vom kenianischen trennt, liegt leblos in der glühenden Sonne. Seit hier kurz vor Weihnachten 1987 tödliche Schüsse fielen und vier Soldaten der ugandischen National Resistance Army (NRA) durch Kugeln aus dem Nachbarland starben, ist der Schlagbaum auf kenianischer Seite nicht mehr hochgegangen.

Beirut: Syrer suchen deutsche Geisel

Augenzeugen berichteten, Ralph Schray sei vergangenen Donnerstag im islamischen West-Beirut von bewaffneten Männern auf offener Straße ergriffen worden.

Der Atomspion

Er sei ein „treuer Freund der Sowjetunion“ gewesen, würdigte das Zentralkomitee der SED den Atomphysiker Klaus Fuchs, der am 28.

Wirbel um Waldheim

Eine Woche vor der Abgabe des Waldheim-Berichtes der Historikerkommission an den österreichischen Bundeskanzler Vranitzky gab es neuen Wirbel: In Jugoslawien war ein Dokument aufgetaucht, das den Bundespräsidenten belastet.

Gespannte Ruhe in Polen

Seit Anfang Februar sind in Polen die Grundnahrungsmittel um durchschnittlich vierzig Prozent teurer, Fahrkarten für Bus und Bahn kosten fünfzig Prozent mehr.

Vertrauenskrise zwischen London und Dublin

Zwei Entscheidungen in der vergangenen Woche haben die Zweifel der Iren an der britischen Justiz verstärkt. Aus ihrer Sicht wiegt im Vereinigten Königreich die Staatsräson allemal schwerer als das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Fusion perfekt. Die britischen Sozialdemokraten votierten am Wochenende für eine Fusion mit den Liberalen. Die neue sozialliberale Partei, von der Liberal Party bereits gebilligt, hofft als Bündnis der Mitte auf mehr Mandate.

BONNER BÜHNE: Viel Karneval, etwas Orwell

Strauß und Südafrika, der Streit um die Abschaffung des Vorruhestands, das Pech der SPD mit ihren Sprechern – was kümmert das die Rheinländer, wo doch ihre fünfte Jahreszeit kurz vor dem Höhepunkt steht? Schon in der übernächsten Woche ist Rosenmontag.

Toleranz muß wachsen

In wohltuender Offenheit wurde auf dem DDR-Schriftstellerkongreß im November über Nutzen und Nachteil von Zensur geredet und die Umweltproblematik wurde in erfreulicher Direktheit benannt.

Verfahren beschleunigt

Im Februar 1984, unser Ausreiseantrag lief gerade zwei Jahre, standen eines Morgens um sieben Uhr zwei Beamte vom Staatssicherheitsdienst in Zivil vor unserer Tür und forderten uns auf, mit ihnen zu fahren; es gehe um unser „Ausreise-Begehren“.

Beamten-Virus: Gefährlicher Eifer

Sie haben sich in vierteljährlichen Abständen untersuchen zu lassen... Sie haben die ärztliche Bescheinigung dem staatlichen Gesundheitsamt vorzulegen.

Asylrecht für Kinder: Sie dürfen bleiben

Für die vier türkischen Kinder Aycin, Fikret, man und Fatma Özbek aus Wesel, die über Jahre befürchten mußten, in die Türkei ausgewiesen zu werden, ist die Zeit des Bangens vorbei.

Prozeß Abbas Hamadi: Ist der „Held“ der Verräter?

Abbas Hamadi hat sich in den vergangenen vier Wochen verändert. Zu Beginn seines Prozesses wirkte er meist gutgelaunt. Mit den beiden dicken Wachtmeistern zu seiner Rechten und Linken scherzte er gern, und einzelnen Zeugen blinzelte er verschmitzt zu.

Antisemitismus im deutschen Alltag: Mit der Namensgebung begann die Verhöhnung und Ausgrenzung der Juden: „Hab’n Sie nicht den kleinen Cohn geseh’n?“

Als der Spiegel kürzlich Leserbriefe abdruckte, in denen die FDP-Abgeordneten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch massiv wegen ihres Eintretens gegen die Verschärfung des Demonstrationsrechtes („Vermummungsparagraph“) kritisiert wurden, war bemerkenswert, daß die beiden Abgeordneten in zwei dieser Leserbriefe als „Juden“ beschimpft wurden.

Weg mit Schaden

Nun soll das Gesetz über den Vorruhestand also zum Ende dieses Jahres auslaufen – so wie es bei der Verabschiedung vorgesehen wurde.

„Wir brauchen ein Umweltwunder“

ZEIT: Herr Minister Töpfer, der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat entschieden, daß der Bebauungsplan für die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf nichtig ist.

Auto: Ventil

Es war wohl ein amerikanischer Journalist, dem das Treiben auf deutschen Autobahnen erstmals „wagnerianisch“ vorkam. Er beobachtete Menschen, die rauschhaft bei Tempo 200 durch die Landschaft hetzten, langsamere Zeitgenossen erbarmungslos auf die rechte Fahrbahn lichthupten und beim bloßen Gedanken an ein Tempolimit in Raserei gerieten.

Umweltschutz: Unter Druck

Mit Logik hatte es von Anfang an nichts zu tun: Seit 1985 prämiert die Bundesregierung zum Schutz des bedrohten Waldes und des Menschen neue Automobile mit Dieselmotor prinzipiell ebenso wie Personenwagen, unter deren Haube ein mehr oder weniger „sauberer“ Benzinmotor werkelt.

Bonner Kulisse

Zu dem politischen Ärger, den sich Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß mit seiner Reise nach Südafrika in Bonn eingehandelt hat, wird er nun auch noch mit dem Frankfurter Bundesrechnungshof aneinandergeraten.

Wolfgang Hoffmann:: Fehlschaltung bei der Post

Wer noch zweifelte, daß Postminister Christian Schwarz-Schilling eine besonders ausgeprägte Gabe hat, sich ohne Not ins Gerede zu bringen, der hat den stichhaltigen Beweis: „Modelluntersuchungen zur Weiterentwicklung und Entzerrung der Tarife im Inland-Telephonverkehr“.

Maxhütte: Nur Illusionen

Politiker haben es gut. Sie können Illusionen verkaufen, und werden diese als solche entlarvt, so liefern sie einfach neue nach.

Verlage: Das Spiel ist aus

Die Hamburger „Morgenpost“ läßt Springers „Bild-Zeitung“ den Käuferfang mit Bingo verbieten

Argumente von Erbsenzählern

Die Idee fanden alle Redakteure auf Anhieb gut: Gefilmt werden sollte ein Geistlicher auf der Kanzel, während gleichzeitig eine Sanduhr läuft.

Dösen für den Fortschritt

Immer wenn die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) Einladungen zu Betriebseröffnungen, Firmenjubiläen und Verbandsfeiern erhält, wird Direktionsassistent Dr.

Das Kreuz mit Europas Steuern

Wenn ein Lastwagen Güter von Antwerpen nach Turin transportiert, dann kommt er – alle Wartezeiten eingerechnet – auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von zwanzig Kilometern in der Stunde.

Markt-Report: Rendite zieht nicht

Von den deutschen Wertpapierbörsen will die Unsicherheit nicht weichen. Die Ausländer liegen bei deutschen Aktien im allgemeinen noch auf der Verkäuferseite.

Zeit und Geld: Noch sinken die Zinsen

Anfang Februar verbesserten zwei Banken ihre Konditionen für Baufinanzierungen. Bei der DLS Bank beträgt der über fünf Jahre festgeschriebene Zinssatz bei voll ausbezahlten Darlehen jetzt effektiv 6,31 Prozent.

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