"Die Tinte auf den Stimmzetteln war gerade getrocknet, da hagelte es Einladungen", beschreibt Abweichler Wittkowsky die Reaktion. Die waren nach Hierarchie fein abgestuft. Der Hochschullehrer wurde per Telephon zum Wissenschaftssenator bestellt, die Studenten und Vertreter der Mitarbeiter, die gegen Niefer gestimmt hatten, zu Rektor Jürgen Timm. Der hatte eigens zwei Betriebsräte vom Bremer Zweigwerk herbeigerufen, um die Bedenken der linken Dissidenten zu zerstreuen.

Die Gewerkschafter gaben sich zwar alle erdenkliche Mühe, Niefers Verdienste um Bremen ins rechte Licht zu rücken. "Das klang fast so, als sei Niefer der Übergewerkschafter", spottet ein Teilnehmer der Runde über den Arbeitnehmer-Lobgesang auf den Chef.

Auch die Professoren des Fachbereichs leisteten Überzeugungsarbeit. Wenn die Ehrung für Niefer nicht abgesegnet würde, müßten sie leider ihre Arbeit an anderen Unis fortsetzen, Bremen sei für sie dann nicht mehr der richtige Ort, ließen sie ihre Studenten und Mitarbeiter wissen.

Am 20. Januar war es dann soweit: Der Antrag, Niefer den Ehrendoktor zu verleihen, wurde vom Fachbereich mit der notwendigen Mehrheit von sechzehn Stimmen angenommen. Wittkowsky, vom Bürgermeister und dessen Stellvertreter tags zuvor nochmals ins Gebet genommen, hatte in seiner Gewissensnot seinen Platz einem Hochschullehrer überlassen, der auf Linie lag. In der vergangenen Woche stimmte auch der Akademische Senat mit hauchdünner Mehrheit für die Auszeichnung Niefers.