Für Henning Voscherau ist klar: "Die Übernahme ist für uns unverzichtbar. Scheitert sie, ist das für uns die Koalitionsfrage." Genauso hart formuliert Robert Vogel die Gegenposition: "Eine Übernahme der Gesellschaft kommt nicht in Frage." Die Karre steckt im Dreck; wie sie wieder flottzumachen ist, weiß in Hamburg im Moment niemand. "Wenn die SPD die Koalition an der Neuen Heimat platzen läßt, kann ich sie nicht hindern", erklärt Ingo von Münch trotzig. "Dann will ich nur festgestellt haben, daß nicht wir es waren, daß wir uns an die Koalitionsvereinbarung gehalten haben." Klaus von Dohnanyi gibt sich einstweilen noch gelassen: "Ich halte das nicht für ein unlösbares Thema." Selbstbewußt fügt der Bürgermeister hinzu: "Normalerweise bin ich gewohnt, daß ich, wenn ich mir eine Sache vornehme, sie auch mache."

Dohnanyi steht innerhalb seiner Partei unter erheblichem Druck, denn er hat seinen Genossen den von der FDP gewünschten Verzicht auf eine zusätzliche Kreditaufnahme zur Schließung der Haushaltslücke mit dem Versprechen auf eine Lösung bei der Neuen Heimat abgerungen. "Dohnanyi hat argumentiert, wenn ihr das jetzt nicht mitmacht und hier die FDP umgenietet wird, wird die NH niemals mehr was", berichtet ein Sozialdemokrat. Der SPD-interne Handel ist auch den Liberalen nicht verborgen geblieben. Sie bauen nun ihrerseits eine Drohkulisse auf: Ohne Regelung der Neue-Heimat-Kontroverse in ihrem Sinn will die FDP in der Bürgerschaft dem Haushalt nicht zustimmen. Gespannt warten die Liberalen darauf, welche Karte der Erste Bürgermeister nun zücken wird. "Ein Wunder gab’s nur einmal in der Hafenstraße", meint Robert Vogel vergnügt, "hier sprechen Zahlen."