Sitzungssaal 2301, Langer Eugen: für das Parlament handelt es sich um ein Randthema, aber immerhin, nach Jahren der Kritik, Beschwerden und Klagen befaßt es sich nun doch mit der Colonia Dignidad. Die umstrittene Kolonie, in der etwa 300 Menschen, fast alle sind Deutsche, seit einem Vierteljahrhundert leben und arbeiten, befindet sich im Süden Chiles.

Der Unterausschuß für Menschenrechte möchte von ehemaligen Mitgliedern, aber auch von Zeugen, die heute noch dort leben, erfahren, ob "deutsche Staatsangehörige unfreiwillig und unter menschenrechtsverletzenden Bedingungen" dort leben.

"Ja", antworten zunächst einmal die meisten der "Ehemaligen" aus der Kolonie auf die Frage nach Menschenrechtsverletzungen. Um ein "Terror-Regime" habe es sich gehandelt, an dessen Spitze der Leiter des Unternehmens, Paul Schäfer, steht. Von ihm, darüber fällt das Urteil der Kritiker einhellig aus, hänge alles ab, Wohl und Wehe.

Fast ganz ausgeblendet bleiben im Menschenrechtsausschuß die politischen Aspekte des Falles. Besonders das Auswärtige Amt muß sich kritische Fragen gefallen lassen, warum es sich erst nach so vielen Jahren ernsthaft um die dubiose Kolonie kümmert. Politisch nicht weniger interessant wäre es zu wissen, wieweit die CSU oder die Hanns Seidel Stiftung mit der Colonia Dignidad kooperiert oder sich aus politischen Gründen schützend vor sie gestellt habe. Seltsame Hinweise gibt es.

Der Münchner Stadtrat Wolfgang Vogelsgesang (CSU), der auch gehört wird, hat die Kolonie öfter besucht und selbstredend immer einen "positiven Eindruck" nach Hause gebracht und im Deutschlandmagazin verbreitet. Das liegt auch nahe, denn in der Kolonie hinter dem 2,20 Meter hohen Stacheldraht, mit den Schäferhunden, Panzerwagen und Maschinenpistolen, haben sie sich doch gegen die Bedrohung durch "Kommunisten" und "Marxisten", Linke und alle "uns nicht Wohlgesonnenen" verteidigt.

Ein Zufall wird es ja kaum gewesen sein, daß Leute wie Vogelsgesang oder Professor Lothar Bossle aus Würzburg in der Colonia Dignidad immer auf offene Türen gestoßen sind, während Bundestagsabgeordnete oder UN-Abgesandte keinen Einlaß fanden. Kürzlich blieb auch eine Delegation des Auswärtigen Amtes draußen vor der Tür. Dr. Hartmut Hopp, Chefarzt der Kolonie, der als Vertreter der "Privaten Socialen Mission" (dem Stützpunkt der Kolonie in Siegburg) auftritt, zeigt auch auf Nachfragen überhaupt keine Bereitschaft, künftig einmal Abgeordneten einen Besuch zu gestatten.

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