Alles klingt so erschreckend deutsch, wie es es da, dem überwiegenden Teil der "Ehemaligen" zufolge, in der Kolonie zugegangen ist und wohl auch noch zugeht. Viel ist von Familie, Geborgenheit, Gemeinschaft, Heimat, Disziplin, Arbeit, Pflicht, Wahrheit und Recht die Rede.

Hugo Baar, Baptist und Prediger, ein Mitbegründer, der selbst dreißig Jahre lang mit Schäfer zusammengearbeitet hat, schildert das so: "Man muß auspacken. Alles. Die letzte Fortsetzung der Beichte ist das Mikrophon im Schlafzimmer." Und Lotti Packmor, lange Jahre Wächterin: "Was der Mensch vor Gott sagt, das hat Schäfer stehend hinter der Tür ausgewertet." Die da aussagen, sind Mittäter und Opfer zugleich, und sie wissen es. Er wisse, meint Baar, daß er mitschuldig sei, er bitte um Verzeihung, aber er habe "Verständnis für jeden, der weder entschuldigen noch vergeben kann".

"Wir leben in einer großen Familie, die jedem Geborgenheit gibt." "Vertrauen ist eine entscheidende Grundlage unseres Zusammenlebens." So klingt die Suada von Hartmut Hopp, dem Arzt im grauen Anzug, Weste und weißem Hemd. Die Korrektheit in Person. Seinen Rechtsanwalt hat er mitgebracht. Auf Fragen antwortet er nicht. Als einer der "Ehemaligen" mit seiner zornigen Aussage beginnt, schiebt er eine Kassette in den Rekorder, stellt das Gerät auf den Tisch und drückt auf den Knopf. Hier findet ein Krieg bis aufs Messer statt. Im Saal 2301.

Wie gerädert von den Lebens- und Leidensgeschichten, von diesen Berichten über den Faschismus im kleinen und dieses sehr deutsche Bollwerk in Chile verläßt man den Saal.

Helmut Kohl hat soeben erklärt, daß die Kritik von Strauß an ihm abpralle. Welches Drama spielt sich da bloß wieder ab, in der Hauptstadt, denkt man, und reibt sich die Augen. Gunter Hofmann