Die deutschen Autokäufer erleben Sternstunden – und das nicht nur in den Ausstellungsräumen von Daimler-Benz. So beflissen freundlich wie in diesen Wochen wurden sie schon lange nicht mehr in den show-rooms begrüßt. Das hat überall denselben Grund: Der Autoboom ist vorbei.

Das glänzende Autojahr 1987 brachte Rekordzahlen in fast jeder Hinsicht – Ergebnisse, die wahrscheinlich nie wieder erreicht werden: 4,4 Millionen Personenwagen und Kombis rollten aus den Montagehallen deutscher Autofabriken, und 2,9 Millionen Autos kamen neu auf die Straßen. Jetzt geht es wieder anders herum: Es gibt – und dabei wird es vorerst auch bleiben – mehr fabrikneue Wagen als Käufer. Das fördert die Freundlichkeit, verkürzt lästige Lieferfristen und drückt die Preise.

Der Markt funktioniert. Zwar versuchten Hersteller und Importeure auch in der diesjährigen Runde, Aufschläge auf die Listenpreise – zumeist kaum zwei Prozent – durchzusetzen, hatten aber nur mäßigen Erfolg. Weil mit wenigen Ausnahmen, beispielsweise dem neuen 5er Modell von BMW und den Mercedes-Coupes, der Absatz stockt und die Neuwagen-Halde wächst, stieg auch die Bereitschaft der Händler, in die Rabattkiste zu greifen. So kommt es, daß derzeit mancher neue Volkswagen Jetta, Opel Omega oder Ford Scorpio billiger als vor der offiziellen Preiserhöhung einen Besitzer findet.

Freundliche Rabatte von zehn und mehr Prozent sind anders als früher nicht mehr nur auf Auslaufmodelle oder importierte Exoten beschränkt. Beinahe alle europäischen Produzenten und natürlich auch die Japaner spielen das Rabattspiel inzwischen mit. Die Regeln dabei sind allerdings nicht einfach, denn mehr als drei Prozent Nachlaß für Barzahler sind offiziell nicht erlaubt.

Um den potentiellen Käufer dennoch mit einem höheren Abschlag zu ködern, wenden die Händler viele Tricks an. Sie nehmen beispielsweise den Gebrauchtwagen zu einem überhöhten Preis in Zahlung, bauen kostenlos ein Radio oder anderes Zubehör in den Neuwagen ein, füllen den Tank umsonst voll oder legen noch einen Satz Winterreifen in den Kofferraum. Sehr beliebt ist auch dieser Weg, das Rabattgesetz zu umgehen: Der Neuwagen wird vom Händler einen Tag zugelassen und fünfzig Kilometer gefahren – dann kann er als Vorführwagen zum Vorzugspreis an den Mann gebracht werden. Ganz offen werben mit diesem Trick Peugeot- und Fiat-Händler in Tageszeitungen. Sie sind aber nicht die einzigen, die ihn benutzen.

Noch deutlichere Zeichen des zunehmenden Wettbewerbs sind verlockende Offerten an die Autofahrer, die nicht über genügend Bares auf ihrem Konto verfügen oder das anderweitig verwenden wollen. Diese mit Abstand größte Kundengruppe kann derzeit ihren Wunsch nach einem neuen Auto zu einmalig günstigen Konditionen realisieren: Den Vogel schießt momentan die Fiat Kredit Bank ab, die lächerliche 0,9 Prozent effektive Jahreszinsen verlangt, wenn sich ein Käufer beispielsweise das Fiat-Modell Uno – immerhin der beliebteste Kleinwagen in Europa – bei ihr finanzieren läßt. Zinssätze von knapp 3 oder 3,9 Prozent (BMW-Angebot für ihre kleinste Baureihe) sind heute nichts Außergewöhnliches. Je weiter der Lock-Zins hinter den marktüblichen Sätzen von acht, neun Prozent zurückbleibt, desto höher fällt die versteckte Preissenkung aus.

Billiger als eine Monatskarte