Die Bundesregierung vermeidet wirklich keinen Fehler, den sie bei der Behandlung der Arbeitnehmer machen kann. Versichert doch Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg vor dem Parlament vollmundig, die geplante Steuerreform werde keineswegs nur den Großverdienern nutzen, wie die Opposition behauptet, sondern allen Steuerzahlern. Und dann streicht er den Arbeitnehmern die Steuerfreiheit für Nacht- und Sonntagsarbeit.

Das betrifft mindestens vier Millionen Arbeitnehmer. Die Setzer und Drucker des Zeitungsgewerbes büßen durch diesen Streich gut ein Monatsgehalt im Jahr ein. In seltener Einmütigkeit protestieren deshalb auch Arbeitgeber und Gewerkschaft gegen die "Bonner Strafmaßnahme", wie der IG-Druck-Vorsitzende Erwin Ferlemann das nennt. Gerade war in dieser unruhigen Branche für drei Jahre Tarifruhe eingekehrt, da ertönt wieder der Ruf nach Streik.

Wenn eines Tages die Morgenzeitung fehlt, dann sind die Verantwortlichen dafür leicht festzumachen: die Steuerreformer, die zwar davon sprechen, daß Leistung sich wieder lohnen müsse, aber nicht die Bereitschaft von Arbeitnehmern honorieren wollen, Leistung auch nachts oder sonntags zu zeigen. hm