Von Anthony H. Heard

Kapstadt im Februar

Die Zusammenstöße zwischen zwei rivalisierenden schwarzen Gruppen an der Ostküste von Südafrika haben eine neue gefährliche Situation in dem krisengeschüttelten Land hervorgerufen. Das Gemetzel in den Townships der Provinz Natal breitet sich auf die Nachbarregionen aus und wird zu einer ernsthaften Bedrohung für die Zukunft eines befriedeten Südafrikas. Versuche, den Kampf zwischen den Zulu-Kräften von Chief Mangosuthu Buthelezi und der Oppositionsbewegung UDF (United Democratic Front) zu schlichten, sind bislang gescheitert. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, der Erzbischof von Kapstadt, blieb mit seinen Bemühungen erfolglos – das Morden ging weiter.

Hintergrund der Gewaltausbrüche ist ein offener Machtkampf, eine Schlacht um die Herzen und Hirne von sechs Millionen Schwarzen in Natal; es sind überwiegend Zulus – Mitglieder der größten ethnischen Gruppe in Südafrika. Die Einheit der Zulus wird erhalten durch Inkatha, eine kulturelle und politische Organisation, die Buthelezi kontrolliert. In den ländlichen Regionen übt sie großen Einfluß aus, aber in den städtischen Gebieten von Durban und Pietermaritzburg wird sie immer stärker von der UDF herausgefordert.

Die UDF gilt als ein inländischer Arm der ins Ausland verbannten militanten Anti-Apartheid-Bewegung ANC (African National Congress). Sie bildet einen lockeren Zusammenschluß von 600 politischen Gruppen, die sich dem Ziel einer Mehrheitsregierung in einem geeinten Südafrika verpflichtet haben. Dieser Dachverband wurde 1983 gegründet, um gegen die neue rassentrennende Verfassung Südafrikas zu opponieren, die Schwarze aus einer Zentralregierung ausschloß. Buthelezi sah seine Felle in Natal davonschwimmen und reagierte mit harten Wortgefechten – und mit physischer Gewalt seiner militanten Anhänger.

Der Konflikt, gekennzeichnet durch blutige Scharmützel und Brandanschläge, wird zur Machtprobe zwischen der stammesorientierten, von Weißen als moderat angesehenen Inkatha und der radikaldemokratischen UDF. Die Auseinandersetzungen kosteten im vergangenen Jahr über 400 Menschen das Leben und gerieten weltweit in die Schlagzeilen. Sie haben die Nachrichten über andere südafrikanische Krisenherde verdrängt.

Der Konflikt erinnert an die Entwicklung in Nigeria nach der Unabhängigkeit, als Colonel Ojukwu der gewaltsame Versuch mißlang, Biafra abzuspalten. Er ruft auch Zimbabwe ins Gedächtnis, wo Joshua Nkomos regionale Vormachtstellung im Matabeleland zur ständigen Herausforderung für Premierminister Robert Mugabe wurde.