Die hessische SPD kommt nicht recht auf die Beine. Ein Jahr nach dem Machtverlust sucht sie nach einer neuen Parteispitze.

Mit Hans Krollmann, ihrem Partei- und Fraktionsvorsitzenden, waren die hessischen Sozialdemokraten von Anfang an unzufrieden. Als es voriges Jahr mit der rot-grünen Landesregierung bergab ging, mußte er für Holger Börner in die Bresche springen. Auf sein Konto buchte man dann den Machtwechsel in Wiesbaden ab. Am Ende überraschte nur, wie schnell der kluge, umständliche Krollmann das Handtuch warf. Ein Rückzug auf Raten: Den Fraktionsvorsitz gab Krollmann ab, Landesvorsitzender bleibt er bis auf weiteres.

Es ist ungerecht, Krollmann allein für die Misere der hessischen SPD verantwortlich zu machen. Er verkörperte sie nur. Im Landtag nehmen die in die Jahre gekommenen Ex-Minister dem ohnehin spärlich gesäten Nachwuchs die Plätze weg. Die Grünen dagegen haben sich schnell und publikumswirksam auf Ministerpräsident Wallmann eingestellt. Krollmann unterliefen zudem peinliche Fehler. Den Landtagsausschuß zur Untersuchung der Umtriebe in den Hanauer Nuklearfirmen wollte er zuerst gar nicht ins Leben rufen; der untersucht ja auch das Zusammenspiel zwischen der alten SPD/FDP-Regierung und der Atomindustrie. Die gute, aber unpassende Idee, Andreas von Schoeler zum Generalsekretär der SPD zu machen, brachte das Faß zum Überlaufen. G. S.