Morgens die Autogrammpost zu öffnen und dann den ganzen Tag aus dem Fenster zu schauen, das sei ihm, sagte der Fußball-Lehrer Udo Lattek, ironisch seinen Job als Technischer Direktor des Bundesligaklubs 1. FC Köln beschreibend, auf die Dauer denn doch zu wenig. So griff er zur nächstliegenden Feder und folgte seiner plötzlichen Berufung zum Kolumnisten – zum "Chefkolumnisten" der neuen Kreation Sport-Bild des Hauses Springer.

Nur auf den ersten Blick ist dies ein absonderlicher Karrieresprung ins journalistische Gewerbe, Udo Lattek hat für die neue Profession tatsächlich die allerbesten Referenzen: Fünfmal gewann er als Trainer die deutsche Meisterschaft, dreimal gewann er den Europapokal. Wenn einer dabei nicht das Schreiben lernt – wann dann?

Nein, uns muß nicht bange sein um den neuen Kollegen, der künftig, nach dem öffnen der Autogrammpost, des Morgens am Fenster vor leeren Blättern sitzen wird. Seine Kolumne, ob nun in 4-2-4-Formation oder in 4-3-3, wird, wie es sich für eine rechte Kolumne gehört, in jeder Ausgabe eine "Säule" des neuen Blattes sein. Wohl auch ein bißchen Litfaßsäule. Aber wer – außer den neidischen neuen Zunftkollegen nach kurzem Blick aufs Zeilenhonorar – wird denn an so was denken? A. B.