Die Gespräche zwischen der nicaraguanischen Regierung und der Contra sind unterbrochen – aber nicht abgebrochen.

Am Freitag voriger Woche endete die zweite Runde der direkten Waffenstillstands-Verhandlungen in Guatemala-Stadt einen Tag früher als vorgesehen. Managua fand sich nicht rechtzeitig bereit, auf einen Vorschlag des Vermittlers, Kardinal Obando, einzugehen.

Obando hatte mit seinen vier Punkten (volle Amnestie, volle Pressefreiheit, Wiederaufnahme des politischen Dialogs mit der internen Opposition und Revision des Militärdienst-Gesetzes) einen Nerv der sandinistischen Führung getroffen. Sie will einen Waffenstillstand und erst danach die Behandlung politischer Reformen. Die Contra bezieht genau gegenteilige Positionen. Sie will vor einer möglichen Entwaffnung grundsätzliche Reformen verwirklicht sehen.

Die zweite Runde wurde also wieder durch den bekannten Argwohn bestimmt. Eine Seite traut prinzipiell der anderen nicht, wobei Sandinisten wie Contra Hintergedanken haben. Noch besteht die Möglichkeit, daß der amerikanische Kongreß ein nicht-militärisches Hilfsprogramm für die Contra beschließt. Und diese Aussicht wird um so größer, je weniger die Sandinisten Reformeifer beweisen.

Darauf spekulieren auch ihre Gegner. Sie wollen die Waffen ruhen lassen, aber nicht niederlegen. Managua hat sich bereits damit abgefunden, daß den Contra-Kämpfern vorübergehend eine Art Freizone für die Zeit der Verhandlungen eingeräumt wird. Daraus will aber Managua keinen Anspruch auf gleichberechtigte Mitsprache ableiten lassen. Die Contra-Kämpfer sollen einzeln von der Amnestie Gebrauch machen und sich in die Parteien einreihen. Als Formation wollen die Sandinisten sie nach einem Friedensschluß nicht akzeptieren.

Beide Seiten spielen wieder auf Zeit. Dabei sind beide in einer schwierigen Lage. Der Contra droht das Geld auszugehen; die Sandinisten haben mit einer Wirtschafts- und Währungsreform in der vorigen Woche bewiesen, daß auch ihre Kräfte schwinden. bi.