Dissidenten-Safari

Zum festen Programm jedes westlichen Politikers, der derzeit Moskau besucht, gehört ein Abstecher zur kritischen Intelligenz. Sir Geoffrey Howe traf jüngst mit Redakteuren des Dissidentenblattes Glasnost zusammen. US-Außenminister Shultz fuhr jetzt wieder bei Nobelpreisträger Andrej Sacharow vor. Die amerikanische Botschaft verband mit diesem Besuch ein erweitertes Angebot an die Journalisten: "Ein Bus zu Dr. Sacharow geht um 19 Uhr." Wie wundervoll, wenn sich diese gute Sitte auch auf die westlichen Metropolen ausdehnen ließe: Sir Geoffrey bereitet in der Hamburger Hafenstraße eine Teestunde für Maggie Thatcher vor, Helmut Kohl läßt sich von amerikanischen Obdachlosen in einer Garküche über Reagans Sozialpolitik informieren, und Franz Josef Strauß versichert nach dem Wiener Opernball Thomas Bernhard, daß er sich für die schrittweise Überwindung des Waldheim-Systems einsetzen werde.

Fromme Wünsche

Auf russisch begrüßte der Papst die "lieben Damen und Herren" des Musik-Corps der Roten Armee, das ihn am 20. Februar im Vatikan besuchte. Dann sprach er zu den kommunistischen Brüdern: "Eure Gesänge und eure Musik berühren das Herz des Menschen. Ich wünsche euch nicht nur, daß sich eure Aktivität immer mehr in der Welt bewähren kann, sondern auch, daß ihr sie immer als wertvolle Gelegenheit empfindet, um unter euren Zuhörern tiefe Gefühle der Brüderlichkeit und Freundschaft zu verbreiten. Möge der Herr diese Wünsche aufnehmen und segnen für euch, eure Familien, eure Lieben und euer Land, dem ich einen Gruß und Wunsch für Wohl und Gedeihen sende."

Royaler Rüffel

Für Aminuddin Abdul Hamid, den stellvertretenden Rektor der Technischen Hochschule in Kuala Lumpur, gehören die Frauen nicht ins Büro und in die Fabrik, sondern in die Küche. "Warum", fragt der Wissenschaftler, "lassen Frauen den Männern nicht die Arbeit und bleiben Hausfrauen?" Mit seinem unerbetenen Ratschlag hat er jedoch nicht nur die Frauenrechtlerinnen in Malaysia auf die Palme gebracht, sondern sich auch den Zorn von Königin Raja Permaisuri zugezogen. Die fand seine Äußerung schlicht "dämlich". Sie würde sicherlich Rita Süssmuth recht geben, die mit Blick auf die deutschen Männer befand: "Ohne die Frauen ist kein Staat zu machen."

Aus der Nomenklatura

Jahrelang blieben die Extratouren einiger tschechoslowakischer Funktionäre im Dunkeln. Jetzt kam Licht in die Korruptionsaffäre. Als Übeltäter mußten vor den Kadi: der Stellvertretende Innenminister Jan Kovac, der Bezirksvorsitzende im Slowakischen Zentralkomitee Stanislav Dudasek, sowie elf weitere hochrangige Parteimitglieder. Sie alle hatten sich jahrelang mit Whisky, Pelzen und Möbeln bestechen lassen und sich den grauen Alltag durch Helikopter-Jagdausflüge und mit Hostessen verschönert. Die Nutznießer der Vergnügungen wurden nur aus der Partei ausgeschlossen: Ein Hoflieferant wanderte für vierzehn Jahre hinter Gitter.