Ein Journalist reist nach Beirut. Er will, nach bestem Wissen und Gewissen, seinen Lesern in Europa Bericht erstatten. Doch gleich am Flughafen wird er entführt – letzte Woche verbrachte der Mann seinen tausendsten Tag in Geiselhaft. Tausend lange Tage der enttäuschten Hoffnung auf Freiheit, der Todesfurcht und der quälenden Sorge um die Angehörigen daheim.

So wie der französische Journalist Jean-Paul Kauffmann, unser Kollege vom Wochenmagazin L’Evénement du Jeudi, werden zwanzig Menschen guten Willens im Libanon gefangengehalten. Die Geiselnehmer freveln gegen den Gott, auf den sie sich berufen.

Zum selben Gott beten die Partisanen in Afghanistan. Über ihren Kampf wollte ein anderer französischer Reporter, nach bestem Wissen und Gewissen, berichten. Alain Guillo wurde von den Regierungstruppen festgenommen und sitzt nun zu Kabul gleichsam in "offizieller" Geiselhaft. Was hat er, was hat Kauffmann verbrochen? Sie wollten stellvertretend für die Öffentlichkeit Zeuge sein, wo Gewalt und Willkür herrschen, zu deren Opfern sie jetzt zählen. Von Zeit zu Zeit werden wir aufs neue über sie schreiben, bis sie wieder schreiben können – über das, was sie gesehen, erfahren und erlitten haben. Ro. W.