Abrüstung als Zwickmühle: In Moskau melden die Außenminister Shultz und Schewardnadse Erfolge bei der atomaren Abrüstung. Nach sieben Jahren der Verhandlung rückt ein Vertrag in greifbare Nähe, der die nuklearen Arsenale der Weltmächte auf den Stand von 1975 zurückstutzen würde. In Washington und Bonn melden die Verteidigungsminister Carlucci und Wörner Kürzungen in den Verteidigungsausgaben. Das neue Pentagon-Budget wird um dreißig Milliarden Dollar zurückgeschnitten. Und auf der Bonner Hardthöhe haben Minister und Generäle soeben beschlossen: Die Bundeswehr muß schrumpfen, weil Geld und Soldaten fehlen.

Rüstungsabbau also von oben wie von unten – ob derartige Beschränkungen von Dauer sind, muß sich allerdings noch zeigen. Geldmangel ist nur so lange der beste Abrüster, wie nicht Angst den Blick auf die ökonomischen Realitäten verstellt. Und weil die atomare Abrüstung die Lücken in der konventionellen Verteidigung oft erst richtig deutlich werden läßt, kann sie leicht die Sorgen, die sie auf der oberen Ebene beilegt, auf der unteren wecken. Deshalb ist wichtig, daß dem Schrumpfen der Rüstung im Westen eine entsprechende Gegenleistung aus dem Osten folgt. Abrüstung kann nicht einseitig bleiben, wenn sie von Dauer sein soll. cb