DIE ZEIT

Sichtfehler

In Frankfurt hat kein Mordprozeß stattgefunden. Kommandant und Fahrer des Polizei-Wasserwerfers, der den Demonstranten Günter Sare überfahren und zu Tode gebracht hatte, waren wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Botha schlägt zu

Im März 1960 nahm die Polizei im südafrikanischen Sharpeville willkürlich eine Demonstration von Schwarzen unter Feuer, es gab 69 Tote und 180 Verletzte.

Ein Volk steht auf

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die friedlichsten Massendemonstrationen seit der Oktoberrevolution haben Gorbatschows Reformkurs in neue Bedrängnis gebracht.

Neuer Realismus schafft sich Raum

Beide politischen Lager unserer Republik frönen – so scheint’s – dem alten Laster: Die Lust am Streit in den eigenen Reihen bewegt die Parteien zur Rechten wie zur Linken wieder einmal mehr als alles andere.

Zeitspiegel

Den Abfall der Abrüstung sinnvoll nutzen – für diese Idee wirbt William C. Potter, Direktor des Center for International and Strategie Studies an der University of California.

Wolfgang Ebert: Post aus München

Endlich ist der Moment gekommen, das Faß übergelaufen. Grübelnd kaut man am Federhalter, wirft hin und wieder sinnend einen Blick in die Winterlandschaft.

Unbeirrt und ohne Skrupel

Margaret Thatcher hat Glück gehabt. Nicht einmal das britische Wahlrecht – mit Recht als winner takes all („der Sieger kassiert alles“), charakterisiert – hätte ihr zu Parlamentsmehrheiten von mehr als 100 Sitzen verholfen, wenn nicht die Opposition gespalten gewesen wäre.

Strategische Abrüstung: Ein neuer Vertrag im Mai?

Der Generalsekretär war fast euphorisch. Am Ende des Washingtoner Gipfels im vergangenen Dezember berichtete Michail Gorbatschow den versammelten Journalisten, wie weit die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten um die drastische Kürzung der Interkontinentalraketen gediehen seien: „Das ist die zentrale Frage der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen, das ist die Frage, die die ganze Weltgemeinschaft beunruhigt.

Bundeswehr: Konzept des Mangels

Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner hatte lange gehofft, den Offenbarungseid seinem Nachfolger überlassen zu können. Nun mußte er ihn doch selber leisten, und er wird daran zu tragen haben, wenn er demnächst als neuer Generalsekretär der Nato nach Brüssel zieht: Die Bundeswehr kann ihren bisherigen Leistungsstand als mobile Präsenzarmee personell und materiell nicht länger aufrechterhalten.

Die Bundesrepublik ist der beliebteste Partner

Jugoslawien muß seine Außenpolitik neu definieren. Die Schwierigkeiten, die Belgrad dabei zu erwarten hat, schildert unser Korrespondent im Schlußteil seiner Serie über das Balkanland.

Schiffahrt im Persischen Golf: Krieg der Kanonen und Kommandos

Nach Angaben des Lloyd’s Register of Shipping war 1987 das gefährlichste Jahr für die Handelsschiffahrt im Persischen Golf. Iranische Kriegsschiffe haben mehr Schiffe denn je aufgebracht, iranische wie israelische Boote haben mehr Schiffe als je zuvor beschossen.

Reformklub in Ungarn

Im September 1987 gründeten I50 Intellektuelle in Budapest das „Ungarische Demokratische Forum“. Dieser erste von der Partei unabhängige Reformklub verabschiedete nun ein Programm.

Abrüstung: Ein Freund im Elysée-Palast

Frankreich zog sich 1966 aus dem militärischen Verbund der Nato zurück, blieb aber Mitglied des Bündnisses. Präsident Mitterrand scheute sich nicht, zu wichtigen Nato-Belangen Stellung zu nehmen: 1983 plädierte er vor dem Bundestag für die Nachrüstung, 1987 verwandte er sich für die doppelte Null-Lösung.

Golf: Krieg der Städte

Irakische Kampfflugzeuge haben am vergangenen Samstag eine längere Feuerpause im Golfkrieg durchbrochen und eine Erdölraffinerie bei Teheran angegriffen.

Waldheims Weigerung

Waldheim, mittlerweile unter massiven Druck sozialistischer Regierungspolitiker geraten, entschloß sich zu einem Rückzieher.

Bundesweite Bauernopposition

Janssen: Es sind insgesamt sieben unabhängige Bauernorganisationen, die bundesweite Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und sechs regionale Organisationen vom Bauernbund Schleswig-Holstein bis zur Bayerischen Agraropposition.

BONNER BÜHNE: Jesuitische Exegese

Der Übermut der Ämter, das ist eine alte Geschichte. Aber Bonn schreibt sie auf besondere Weise fort, indem die Regierung sich gegenüber den eigenen Leuten hochfahrend zeigt.

Die Allenby-Brücke-Symbol der Trennung

Unter der Brücke fließt träge und braun der Jordan und führt Schilf und Rohr mit sich. An seinen Ufern stehen sich am Brückenkopf ein israelischer und ein jordanischer Wachposten gegenüber.

Deutsch-deutsche Dichterlesung: Kein Rathaus für Kant

Es hatte ein so harmonisches Stück Kultur werden sollen. Der Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbandes, Hermann Kant, war angekündigt zur Premiere seines neuen Buches "Die Summe" in der Bundesrepublik, als Gäste angesagt waren die beiden Verlegerinnen, und Ort des Geschehens sollte sein ein repräsentativ-historischer Rathaussaal inmitten einer kleinen Stadt im bayerischen Spessart.

KZ-Gedenkstätte Breitenau: Streit um Akten

Gilt der Datenschutz, wie er heute gesetzlich verankert ist, auch rückwirkend für die Nazizeit, für Haftbefehle oder Akten von KZ-Insassen, somit auch für Bewacher, Folterer und Mörder? Diese Frage wird derzeit in Hessen auf höchster Ebene geprüft.

Anstößiges Rollenspiel

Doch das war nur ein Zwischenspiel in einer vom WDR aus dem Bochumer Bergbaumuseum regional ausgestrahlten eineinhalbstündigen Samstags-Sondersendung der Redaktion „Hier und heute“ unter dem Titel „Sind wir noch zu retten?“.

Exilliteratur: Lesen, was los war

Zu diesem Thema verfügt nicht einmal jedes germanistische Seminar über so viele Bücher wie wir“, sagt Peter Benz und lächelt zufrieden.

Sie bewegt sich doch

Es ist schon erstaunlich, wieviel Staub alte Ideen aufwirbeln können, wenn sie nur die richtige Person zur richtigen Zeit wieder lanciert.

Friede, Freude, Krise

Die Stimmung der Politiker und Manager ist viel besser als die Lage an der Ruhr

Umweltpolitik: Illusion

Noch vor kurzem freuten sich die Bonner Umweltpolitiker, daß die EG grünes Licht für das Verbot von bleihaltigem Normalbenzin gegeben hatte.

Lebensversicherung: Durchblick

Die heimische Assekuranz sieht das gar nicht gern. Da kommt die Konkurrenz aus England und pfuscht den Lebensversicherern ins Handwerk.

Bonner Kulisse

Die Pharmaindustrie ist einen ihrer schärfsten Widersacher losgeworden. Der Bremer Senatsdirektor Professor Peter S. Schönhöfer hat mit dem Antritt der neuen Bremer Gesundheitssenatorin Vera Rüdiger – die hessische SPD-Politikerin hat sich extra für diesen Job in Bremen häuslich niedergelassen – seinen Staatsdienst quittieren müssen.

Ladenschluß: Notlösung

Wirtschaftsminister Bangemann fand mal wieder starke Worte. Einen „Verweigerungsvertrag gegen gesellschaftlichen und ökonomischen Fortschritt“ schalt er vollmundig einen Tarifkompromiß, den Einzelhändler und Gewerkschaften in Hamburg geschlossen haben.

Öffentlicher Dienst: Rüsten für den großen Streit

Nun werden sie doch wieder einmal bemüht, Hermann Höcherl und Walter Krause, die beiden Schlichter im öffentlichen Dienst. Der CSU-Politiker und sein sozialdemokratischer Kollege aus Baden-Württemberg sind zwar längst Minister a.

Zeitliches aus der Provinz: Jubel, Trubel, Hitlerzeit

Der Firmensitz ist auch im 125. Jahr noch immer Frankfurt und nicht etwa München. Doch im Umgang mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen adaptiert der Chemie-Konzern Hoechst nun Methoden, auf die bislang die CSU ein Copyright zu haben glaubte.

Gemeindefinanzen: Einer gegen Bonn

In der Umgebung des niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ist die Stimmung gegenwärtig anhaltend gut: „Der MP ist förmlich aufgelebt.

Hongkong: Pekings geliebte Spekulanten

Ein Spaziergang durch die Straßen von Hongkong und Singapur erinnert an die Geschichte vom Gestiefelten Kater. Denn auf die Frage, wem dieses Grundstück oder jener Wolkenkratzer gehöre, erhält man oft die gleiche Antwort: der Ng-Familie.

Teure Finanzierung

Ausländische Emittenten wissen die angekündigte Quellensteuer trefflich zu nutzen. Da bundesdeutsche Anleger derzeit vor allem DM-Auslandsanleihen kaufen wollen, weil deren Zinserträge nicht durch die neue Steuer geschmälert werden, können die Anbieter den Preis drücken.

Markt-Report: Aktien holen auf

Mit einem durchschnittlichen Anstieg der Aktienkurse in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um rund acht Prozent liegen die deutschen Börsen zwar deutlich hinter Tokio (plus 17 Prozent) und Amsterdam (plus 11,8 Prozent), aber doch vor New York, wo ein Plus von nur 4,1 Prozent verzeichnet wird.

MANAGER UND MÄRKTE

Eine halbe Million Dollar hat der Düsseldorfer Econ-Verlag, wie Brancheninsider wissen wollen, für die deutschsprachigen Rechte des neuen Buches von Lee Iacocca, dem Chef des amerikanischen Autokonzerns Chrysler, an die New Yorker Verlagsgruppe Bantam bezahlt.

Nicht überzeugend

Erkelenz: Der Verbraucher wird es leichter haben, Schadensersatzansprüche gegen einen Hersteller durchzusetzen. Heute kann der Konsument auf Ersatz des Schadens, den er durch ein unsicheres Produkt erlitten hat, nur hoffen, wenn ein Produzent schuldhaft gehandelt hat.

Alles zu Späth?

Rastlos fördert der baden-württembergische Ministerpräsident die Wirtschaft – doch sein Wahlerfolg ist in Gefahr

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