Von Gunhild Freese

Der Vertrag, den die Metro-Manager am Dienstag der vergangenen Woche vom Bundeskartellamt in Berlin mit auf den Weg bekamen, enthielt einen dicken Brocken. Der Düsseldorfer Großhandelsgigant, so forderten die Berliner Beamten, solle sich von einem Großmarkt in München trennen – damit muß die Metro immerhin auf ein Umsatzvolumen von rund 150 Millionen Mark jährlich verzichten. Doch die Düsseldorfer Großhändler überlegten nicht lange, schon drei Tage später ging der Vertrag unterschrieben beim Amt ein.

Das Opfer war vergleichsweise gering. Bekommt doch die Metro (Umsatz 1986: 7,7 Milliarden Mark) im Gegenzug grünes Licht für die Übernahme der Bayerischen Lagerversorgung (BLV), zu der jener Münchner Großmarkt noch gehört. Die Handelsgruppe, einst entstanden als Versorgungsunternehmen der amerikanischen Besatzungsmacht für die Flüchtlinge im Bayerischen und heute im Besitz mittelständischer Einzelhändler, machte mit Cash-and-Carry- und Verbrauchermärkten, mit Möbelhäusern, Baumärkten und Tankstellen zuletzt einen Umsatz von über 1,4 Milliarden Mark.

Kritisch für die Berliner Beamten war an dieser Elefantenhochzeit nur die dominierende Marktstellung der Metro in München. Bisher sind BLV und Metro am Cash-and-Carry-Markt im Stadtgebiet etwa gleich stark – gemeinsam kämen sie auf einen Marktanteil von siebzig Prozent. Mit dem Verkauf eines von drei BLV-Großmärkten ist nach Ansicht des Kartellamtes dem Wettbewerb Genüge getan.

Vor noch nicht mal einem Jahr, im April 1987, hatte sich die Metro die vor allem in Süddeutschland agierende Hurler-Gruppe mit rund einem Dutzend Selbstbedienungswarenhäusern und Großhandelsmärkten (Umsatz: 1,4 Milliarden Mark) einverleibt. Und Anfang 1987 stockte der Cash-and-Carry-Riese seine Beteiligung beim traditionsreichen Kölner Warenhauskonzern Kaufhof von 24,9 auf über 50 Prozent auf. Der Kaufhof (Umsatz 1987: 9,9 Milliarden Mark) wurde damit zur legitimen Tochter des Düsseldorfer Großhändlers.

Keine dieser Metro-Akquisitionen konnte das Bundeskartellamt verhindern. Im Fall Metro/Kaufhof mochte der Bundesgerichtshof der engen Marktabgrenzung der Wettbewerbsbehörde nicht folgen und konnte deshalb in der Fusion auch keine Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung der Metro sehen.

Auch im zweiten Testfall für das Wettbewerbsgesetz mußten die Berliner Beamten vor Gericht eine Niederlage hinnehmen. Bei der Übernahme des kleinen Schleswig-Holsteiner Händlers Wandmaker durch den Frankfurter co op-Konzern widersprach das Berliner Kammergericht der Annahme der Wettbewerbshüter, die sechs größten Handelsunternehmen seien so mächtig, daß sie bei ihren Lieferanten deutlich bessere Konditionen als andere Händler herausholten. Im Schnitt der Sortimente waren die Konditionen der großen Sechs (Aldi, Rewe-Leibbrand, Tengelmann, Edeka, Metro und co op) jedoch nur bis zu zwei Prozent besser – nicht genug, um diese These aufrechtzuerhalten. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, vom Gesetzgeber zuletzt 1980 neu gefaßt, um die Konzentrationswelle im Handel zu brechen, hat nicht gegriffen.