Am 10. März wurde in Budapest ein Kultur- und Informationszentrum der Bundesrepublik eröffnet. Die bis dahin einzige Einrichtung dieser Art besteht seit 1979 in Bukarest. Klaus von Bismarck, Präsident der Goethe-Institute, hat sich in seiner elfjährigen Amtszeit besonders um eine Verbesserung der Kulturbeziehungen mit Osteuropa bemüht.

ZEIT: Welchen Eindruck haben Sie von der Eröffnung des Goethe-Instituts in Budapest?

Bismarck: Alles in allem war die Eröffnung sehr belebend und ermutigend. Weil es sich erwiesen hat, daß Ungarn in Osteuropa eine Art Vorreiterrolle spielt. Es steht uns am offensten gegenüber.

In meiner Eröffnungsrede habe ich auf den Reichtum des kulturellen Erbes hingewiesen – das gilt nicht nur für Budapest, das gilt genauso für Krakau, Warschau, oder Prag.

ZEIT: Welche Bedeutung hat das Ereignis für die Kulturbeziehungen zu anderen osteuropäischen Ländern?

Bismarck: Wir haben jahrelang bei den Verhandlungen auf der Stelle getreten und manchmal schien es sogar nur einen Schritt vorwärts und zwei zurückzugehen. Plötzlich hat sich etwas verändert. Ich glaube nicht, daß dies in erster Linie auf glasnost und Gorbatschow zurückzuführen ist. Vielmehr ist in den osteuropäischen Ländern das Bewußtsein, zu Europa zu gehören, viel stärker geworden. Diese Länder wollen ganz akzentuiert eben nicht der Osten, sondern Europäer sein.

Die feurige Luft ist aus dem Marxismus-Leninismus heraus. Man besinnt sich stärker auf etwas anderes. Die Zugehörigkeit zur europäischen Kultur hat ein deutliches Crescendo.