Die deutschen Anleger sind ausgesprochene Aktien-Muffel. Nur 5,7 Prozent aller Haushalte haben Anteilscheine in ihren Depots liegen. Zum Vergleich: In Japan zählen derzeit 16 Prozent aller Haushalte zum Kreis der Aktionäre, in den Vereinigten Staaten sind es gar 19,5 Prozent. Gegen dieses Mißverhältnis hat die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen ein Rezept: Die Sparer müßten von den Geldinstituten mehr erfahren über die Chancen der langfristigen Vermögensanlage in Wertpapieren wie Aktien und Industrieobligationen. Diese Art der Altersvorsorge würde das Geschäft an den acht deutschen Börsen schnell beleben.

Derzeit beeinflussen vor allem ausländische Anleger die Kurse zwischen Hamburg und München. Es sind Versicherungen, Investmentfonds und Pensionskassen. Sobald sich diese Investoren aus dem heimischen Markt zurückziehen – sei es wegen zu geringer Rendite, sei es wegen zu hoher Wechselkursrisiken –, fallen die Notierungen auf breiter Front. Um die hohe Auslandsabhängigkeit zu verringern, empfehlen die in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen acht deutschen Börsen in ihrem Jahresbericht 1987: Die bundesdeutschen Unternehmen sollten für die betriebliche Altersvorsorge "in stärkerem Maße als bisher" selbständige Pensionsfonds nutzen, so wie dies in Holland, England und den Vereinigten Staaten längst der Fall ist. Das für die Arbeitnehmer gebildete Vermögen würde demnach nicht mehr direkt in den Unternehmen bleiben, sondern über die unabhängigen Pensionskassen dem Kapitalmarkt zur Verfügung stehen. Der Effekt: Allein aufgrund der hohen Anlagebeträge würden die inländischen Investoren gegenüber den ausländischen an Gewicht gewinnen. kah