MANAGER UND MÄRKTE

Nach nur vier Ausgaben hat Ulfert Schröder, einer der drei Chefredakteure der neuen Springer-Zeitung Sport-Bild, bereits das Handtuch geworfen. Schröder, der als freier Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet hatte, bevor er den Vertrag als Chefredakteur unterschrieb, fühlte sich von seinen Mit-Chefredakteuren Werner Köster und Jörg F. Hüls bei der Blattgestaltung offensichtlich übergangen. Sowohl Köster als auch Hüls kommen von Bild.

Seine Kündigung begründete Schröder auch damit, der Bild- Einfluß sei zu groß. Die Konflikte hatten sich schon bei der Einrichtung der neuen Redaktionsräume angekündigt. Während Köster und Hüls gemeinsam in einem großen Zimmer residieren, mußte sich Schröder mit einem sehr viel kleineren Büro etwas abseits zufrieden geben.

Im Vorstand der traditionsreichen Münchner Großbrauerei, der Löwenbräu AG, gärt es. Der Anlaß: Der Vorstandsvorsitzende Paul Greineder hatte vergangene Woche öffentlich gefordert, zukünftig in das für den Export bestimmte deutsche Bier auch Mais und Reis mischen zu dürfen. Mit diesem Frontalangriff auf das noch heilige Reinheitsgebot hat der Löwenbräu-Chef jedoch nicht nur die gesamte deutsche Bierbranche, sondern offenbar auch die eigenen Vorstandsmitglieder aufgeschreckt.

Vorstandsmitglied Albert Riedl, beim Münchner Bierbrauer zuständig für den Inlandsvertrieb, ging sofort deutlich auf Distanz zu seinem Chef. Riedl, seit 25 Jahren im Unternehmen und seit fünf Jahren im Vorstand, sieht nämlich den Löwenbräu-Absatz am deutschen Markt durch den Greineder-Vorstoß ernstlich gefährdet. Daß es sich bei diesem Vorschlag nur um "persönliche Gedankengänge" handele, meinte Riedl auf einer von ihm selbst einberufenen Pressekonferenz klarstellen zu müssen. Dafür hatte er eigens seinen Urlaub abgebrochen.

Die Arbeit war für die Katz. Im Frühjahr wollten die Einzelhändler und Gastronomen die Deutsche Kreditkarte (DKK) auf den Markt bringen. Jetzt müssen hunderttausend frisch gedruckte Plastikkarten eingestampft werden. Denn per einstweiliger Verfügung untersagte das Oberlandesgericht München, das Wort "Deutsche" im Zusammenhang mit der Kreditkarte zu gebrauchen, weil die DKK noch nicht so groß sei, daß eine derartige Bezeichnung gerechtfertigt wäre.

"Dahinter muß jemand stecken, dem daran gelegen ist, daß unser Projekt verzögert wird", spekuliert Helmut Frei über den Initiator der einstweiligen Verfügung. Mit seiner Vermutung liegt der Geschäftsführer der Deutschen Kreditkarten GmbH richtig.

Ein Konkurrent hatte das Ganze ins Rollen gebracht. Für den Prozeß bediente er sich der Juristen des badischen Vereins pro virtute, die auf Fälle unlauteren Wettbewerbs spezialisiert sind. Als Drahtzieher der einstweiligen Verfügung hatten Branchenkenner ursprünglich Eckart van Hooven, Vorstand der Deutschen Bank, in Verdacht, der den Gerüchten zufolge von Anfang an gegen die DKK gewesen ist. Dazu meint pro virtute-Vorstand Johannes Gmeinder: "Ich habe weder mittelbar noch unmittelbar irgendeinen Kontakt oder auch nur Hinweis aus dieser Ecke." Er sagt aber auch: "Natürlich stecken dahinter wirtschaftliche Größen" und verweist ganz allgemein auf das Krecitkartengewerbe.

MANAGER UND MÄRKTE

Dank des potenten Unbekannten ist es für Gmeinder jedenfalls kein Problem, bis zum 11. April eine Auflage des Gerichts zu erfüllen: Drei Millionen Mark sind als Bankbürgschaft für mögliche spätere Regreßansprüche aufzutreiben. Es könnte nämlich durchaus sein, daß die DKK in der nächsthöheren Instanz vor dem Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) den Rechtsstreit gewinnen wird. "Dafür spricht vieles", wie der Justitiar des Einzelhandelsverbandes, Hans Weyhenmeyer, mit Blick auf ein richtungweisendes BGH-Urteil aus dem Jahr 1987 meint.

Bis zu einem höchstrichterlichen Schiedsspruch vergehen aber zumindest noch zwei Jahre. Die DKK indes soll – wenn auch mit zweimonatiger Verspätung – schon in diesem Sommer auf den Markt kommen.

Offensichtlich kommen Frauen mit der neuen Technik besser klar, als gemeinhin angenommen wird. Das ergab jedenfalls eine Umfrage, die die Fachzeitschrift Online gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen SCS bei deutschen Leitern von EDV-Abteilungen startete.

Neben vielen anderen Erkenntnissen über die Chefs selbst – diese Funktion ist noch ein reines Männerreservat – zeigte sich, daß Frauen in vielen Punkten gleichwertig oder sogar besser als ihre männlichen Kollegen beurteilt werden. Frauen gelten als disziplinierter, ehrgeiziger und kreativer, können besser im Team arbeiten und stehen auch nicht zurück, wenn es um Fachwissen geht.

Allerdings, so die Chefs über ihre weiblichen Mitarbeiter, hapere es noch bei der Durchsetzungskraft, dem langfristigen beruflichen Engagement und der Bereitschaft, Führungsaufgaben zu übernehmen.

Da wundert es nicht, daß mit 22 Prozent die meisten Frauen heute noch immer in der Datenerfassung arbeiten. Allerdings haben sich bereits zwanzig Prozent in die Programmierstuben hochgearbeitet, dreizehn Prozent werden in der Systemanalyse eingesetzt, elf Prozent in der EDV-Organisation.

Alles in allem hätten ihre Chefs nichts dagegen, noch mehr Frauen zu beschäftigen. Zu hoffen bleibt nur, daß dieser Wunsch nicht nur aus einer ganz besonderen Not der männlichen Führungskräfte resultiert: Sie leiden unter akutem Personalmangel.

Marie-Luise Hauch-Fleck