Zu Hause ist für Kranke das beste Krankenhaus

Von Wolfgang Zank

Der weiträumige Komplex des Sabbatsberg-Krankenhauses liegt mitten in der Stockholmer Innenstadt. An der Aufnahme kommt gelegentlich ein Krankenwagen vorgefahren. Die Pfleger öffnen die rückwärtige Tür des Fahrzeuges, heben eine Liege mit einem Patienten heraus, setzen sie auf ein rollbares Gestell und bugsieren sie dann ins Innere. Dort wird der Patient von freundlich-routinierten Schwestern in Empfang genommen.

Das Ganze macht einen wohlorganisierten, beinahe beschaulichen Eindruck. „Heute ist ja nichts los“, meint eine der Schwestern. „Du hättest mal am Wochenende, kommen sollen! Der Betrieb ist hier oft am Zusammenbrechen, dann kommt alles auf einmal: Unfälle, Herzinfarkte, Heroinsüchtige.“

Die Schwester gehört zu den rund 450 000 Beschäftigten im schwedischen Gesundheitswesen. Davon sind zwar viele nur Teilzeitkräfte, aber dennoch sind damit fast alle Personalsparten erheblich stärker besetzt als in der Bundesrepublik. Die medizinische Versorgung ist auch, soweit die Statistiken ein Urteil erlauben, in der Regel umfangreicher und qualitativ besser. Die Säuglingssterblichkeit ist beispielsweise fast vierzig Prozent niedriger als in der Bundesrepublik. Aber auch die Schweden haben reichlich Probleme mit ihrem Gesundheitssystem. In Stockholm können viele Krankenpflegerstellen nicht besetzt werden. „Das ist ja nun wirklich kein Wunder“, meint Sören Carlsson, Arzt in der Akut-Abteilung des Sabbatsberg-Krankenhauses. „Die Ausbildung ist lang, die Gehälter sind schlecht, der Job ist sehr anstrengend, und dazu kommen noch die ungünstigen Arbeitszeiten.“

„Im Gegensatz zu vielen Beschäftigten in der Privatwirtschaft mit ihren Betriebsärzten haben wir ja noch nicht einmal kostenlose medizinische Betreuung“, fährt Sören Carlsson fort. Die Schweden müssen für den Arztbesuch etwa zwölf Mark zahlen, und Medikamente sind nur bei stationären Krankenhausaufenthalten oder in chronischen Fällen völlig gratis.

Die Patientengebühren decken allerdings nur vier Prozent der gesamten Ausgaben. Der Löwenanteil wird dagegen aus Steuermitteln bezahlt, die hauptsächlich von den Provinzen verteilt werden. Jeder Schwede bezahlt eine proportionale Gesundheitssteuer von im Durchschnitt vierzehn Prozent des Einkommens. Einen kleinen Teil der Gesundheitskosten deckt noch eine von den Arbeitgebern finanzierte Krankenkasse.