Der Orthopäde Winfried Beck, Vorsitzender des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, hat sich auf Einladung der südafrikanischen Medizinervereinigung National Medical and Dental Association über das Gesundheitswesen im Apartheid-Staat informiert.

ZEIT: Mit welchen Eindrücken kehrten Sie aus Südafrika zurück?

Beck: Am meisten hat mich der Gegensatz von extremer Armut und unglaublichem Luxus beeindruckt. Entsprechend ungleich sind die Chancen, ein gesundes Leben führen zu können. In den Städten der Schwarzen, den sogenannten Townships, herrschen hygienische Zustände, die katastrophal sind. Die Müllabfuhr funktioniert schlecht. Die Menschen leben zusammengepfercht auf engstem Raum. In vielen Gebäuden fehlt es an Elektrizität, ein Wasseranschluß wird von durchschnittlich fünfzehn Häusern benutzt. Ein weißer Arzt betreut vierhundert weiße Patienten, das Verhältnis bei den Schwarzen ist 1 : 90 000.

Die Krankenhäuser für die Schwarzen sind zu klein und schlecht ausgestattet. Wir haben eine Entbindungsstation gesehen, auf der die Frauen zu zweit im Bett, sogar unter den Betten oder neben den Betten liegen mußten. Wir haben andererseits ein Krankenhaus der Weißen gesehen, das zu sechzig Prozent unterbelegt war. Dennoch ist dieses Hospital nicht dazu bereit, schwarze Patienten aufzunehmen.

ZEIT: Auch keinen Schwarzen, der schwerverletzt im Straßengraben liegt?

Beck: Er wird von einem Ambulanzfahrzeug, das für Weiße reserviert ist, nicht transportiert. Es kommt immer wieder vor, daß Schwarze verbluten oder ein Herzinfarkt nicht schnell genug behandelt werden kann, weil diese Rettungswagen einfach vorbeifahren.

ZEIT: Welche Reformen wären dringlich geboten?