Friede Springer versucht, das verlegerische Vermächtnis ihres Mannes zu retten

Von Ben Witter

Ach was, sie ist weder arrogant noch theatralisch, sie versucht nur immer wieder, ihre Hemmungen und Unsicherheiten möglichst planmäßig abzubauen. Deshalb hält sie Distanz. Denn wo sie auch geht und steht, wie man so sagt, sieht man in ihr die Witwe Axel Springers. Und würde sie ein heimliches Notizbuch vollschreiben, stünden da wahrscheinlich stellenweise solche Merksätze: "... Axels Freunde sind auch meine Freunde und werden es bleiben, ohne Zusätze und Abstriche... Ich zwinge mich nicht dazu, gleichbleibend freundlich zu sein, man sagt, ich hätte eine Art natürlicher Freundlichkeit...

Allzu modisch kleide ich mich nicht, bleibe mehr als einen Saum breit unter dem, was man trägt. Doch von höchster Qualität muß es schön sein..."

Friede – Elfriede – ist ihr Taufname, doch auf der Nordseeinsel Föhr ist man wortkarg und kürzt ab. Und sie, die Kindergärtnerin, ihr Vater ist Gärtner, lernte früh, gegen Wind und Wetter anzustrampeln, das Festland im Nacken und vor sich die See, und das "Drüben" gewissermaßen als Nachbarschaft; gemeint ist Amerika. Wer auf der Insel wollte nicht mal rüber und nachsehen, ob da wirklich alles so riesengroß, weit und mächtig ist, und dableiben wie so mancher. Sie glaubte nicht, jemals über den großen Teich zu kommen, gar in einem Jumbo-Jet erster Klasse. Ein Frachtdampfer hätte es ja auch getan. Das war’s dann wohl gewesen.

Das "Insel-Kind" wird Kauffrau

Und Axel Springer? Sah er in ihr nicht allein das Kindermädchen in seinem Haus in Gstaad, sondern auch den "Markenartikel" aus Schleswig-Holstein, das er zu seiner weiteren Heimat zählte: fleißig, folgsam, zäh, nie laut und zappelig. Und essen konnte sie, was sie wollte, sie blieb schlank und war stets zur Hand. Ihre Eigenschaften, die ihm gerade recht kamen, erstickte er nicht in Verehrung auf Altmännerart. Trotz seiner vier Ehen war er noch spannungsgeladen und weder feierlich-gütig noch unromantisch, eher kritisch-dankbar in seinem abflauenden "Königsdenken".