Die Geschichte ist so schlicht, wie die Inszenierung bieder. Es geht um ein Thema, um den Unterschied zwischen "besinnungslos vor Wut" und übergeschnappt, durchgedreht, verrückt Erzählung und Erzählweise spielen dahinter nur die zweite Geige.

Eine Prostituierte hat einen ihrer Freier getötet, ihm einen Glassplitter in den Hals gestoßen. Die Folge: man hält sie für unzurechnungsfähig. Der Staatsanwalt, der Gefängnispsychiater, ihre Eltern, alle versuchen, sie in eine Anstalt einzuweisen. Der Film erzählt dann davon, wie die Frau sich dagegen mit allen Kräften wehrt – in einer endlos langen Anhörung vor Gericht. Dabei kommt dies und das zur Sprache: Probleme ihrer Kindheit, Probleme der persönlichen Integrität, Probleme der Prostitution, Probleme der psychiatrischen Behandlung, Probleme von Machtmißbrauch. Vieles wird angesprochen, vieles debattiert, einiges zugespitzt.

Der Regisseur Martin Ritt ist kein Mann von Raffinesse. Ihm geht es nie um das Nächstliegende: um eine gute Geschichte. Auch in "Nuts" widmet er sich – wie stets in seinen Filmen – lieber den feinen Nuancen des Themas. Als dramaturgische Linie genügen ihm dafür heftige Wortgefechte, als Schauplatz die typischen Kulissen des Studios. Doch in dieser Welt flattert nie ein Papier durch die Luft, kein Blatt regt sich im Wind, keine Pfütze schlägt Wellen.

Glücklicherweise ist der Produzent hier zugleich der Star: Barbra Streisand. Und die spielt – wie so oft in ihren Filmen – mit einer unbändigen Lust am Lauten, Grellen. Die superweiche Lady als ordinäre Nervensäge: sie lamentiert und provoziert, schmollt und lockt, schreit und meckert, flüstert und weint. Und alles, was sie macht, das sieht man deutlich, macht sie mit ungeheurem Spaß.

Durch Barbra Streisand gelingt, was so selten passiert: daß dieser öde Film nicht langweilig wird. Norbert Grob