Es war einmal eine Zeitung in Hamburg. Und es war ein paar Tage vor Ostern. Jene Redakteure, die für Fragen des modernen Lebens zuständig waren, wußten, daß es jetzt wieder einmal auf sie ankam. Redakteur Storch: Wir sollten herausfinden, ob überzählige Weihnachtsmänner tatsächlich eingeschmolzen und zu Osterhasen umgeformt werden. Volontärin Kalkweiß: Eingeschmolzen werden die nicht. Nur neu verpackt. Ich habe mal einen Osterhasen ausgewickelt, und dann sah ich den Bart vom Nikolaus. Wissenschaftsredakteur Schub: Das kann man leicht feststellen. Ist viel Radioaktivität in den Osterhasen, sind sie vom letzten Jahr.

Redakteur Storch wurde beauftragt, der Sache nachzugehen. Er rief bei einer Fabrik an. Einschmelzen, so ein Schmarrn, belehrte ihn Doktor Müller, das Auspacken von Hand, viel zu teuer, die 35-Stunden-Woche, Sie verstehen schon.

Den Redakteur überzeugte das. Aber was sollte er nun schreiben? Da traf er auf dem Flur die Sekretärin Köhlbrand aus der politischen Redaktion. Sie behauptete, vor drei Jahren bei einer Schokoladenfabrik in Hamburg-Wandsbek beschäftigt gewesen zu sein, und natürlich sei dort aus- und eingepackt worden: Und zwar von Hand.

Sekretärin Martens, die darüber hinzukam, berichtete von einer Freundin, die im Im- und Export von Schokoladen-Artikeln tätig sei, und also das Stanniol, das würde zum Teil in der Tschechoslowakei von Frauen in Heimarbeit bemalt, und das sei doch ein Ding, für unsere Osterhasen, so eine Ausbeutung etc.

Redakteur Storch bekam den Eindruck, daß es sich hier doch um eine komplizierte, internationale Materie handelte, die sein Recherchiervermögen bei weitem überstieg. Sollte er sich etwa einschleichen, ganz unten, am Schoko-Trog stehen und den Weg des Stanniols ergründen?

Er rief beim Gesundheitsamt an, vielleicht half ihm die Radioaktivität ja weiter. Ein freundlicher Chemiker, Ausländer, war am Apparat. Und sagte: Wir haben Schokolade untersucht und die Schokolade natürlich, wenn es reine Schokolade war, da können wir auch keine Radioaktivität drin feststellen. Nur wenn Schokolade mit Haselnuß verarbeitet wurde, und Sie wissen, die Haselnüssen leider sind nach Tschernobyl hier alles, die ganze Haselnüsse aus Türkei, sind hochbelastet. Und je nachdem wieviel prozentual Anteile von Haselnüssen lagen, die Hasel, also die Schokolade, na, eh, die Haselnüssen nicht, sondern die, eh, Osterhasen etwas höher. Und dann wurden von uns damals, also letztes Jahr, Aktivitäten zwischen 10 und 50 beziehungsweise 70 Becquerel gefunden."

Ach ja. Und was geschah mit den verseuchten Hasen? Da mußte der Chemiker passen. Der Redakteur rief die Sozialbehörde an. Ja, letztes Jahr habe die Stadt radioaktive Osterhasen gekauft, sie aber nicht verteilt. Die sind vernichtet worden. Ja, aber wie? Na, also, wir haben die nicht einfach auf den Müll gegeben. Auf den Sondermüll dann, Schacht Konrad, Gorleben? Überfragt.