Die Firma Helopharm ist ein Unternehmen so ganz nach dem Geschmack des Berliner Wirtschaftssenators Elmar Pieroth. Der mittelständische Pharmabetrieb, eine GmbH & Co. KG, betreibt vor allem Forschung und Entwicklung. Die rund hundert Mitarbeiter, darunter zahlreiche Forscher, entwickeln Herz-Kreislaufmittel bis zur Marktreife und verkaufen ihr Know-how in Form von Lizenzen an interessierte Unternehmen.

In Konkurrenz zu den großen Pharmakonzernen ist das kein leichtes Geschäft. Der „Große“ sitzt gleich in der Nähe: die weltweit operierende Schering AG.

Mit diesem Nebeneinander im marktwirtschaftlichen Wettbewerb findet sich die Firma ab. „Was aber den finanziellen Ausgleich von Standortnachteilen durch die Berlinförderung angeht, so sind wir klar benachteiligt“, klagt der Geschäftsführer Gerd Petrik. „Wir forschen zuviel und produzieren zu wenig, obwohl gerade das Zweck der geänderten Berlinförderung war, nämlich zukunftsträchtige Produktionsstrukturen und qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.“

Das klingt pervers und ist es wohl auch. Was das mittelständische Pharmaunternehmen in jahrelanger Arbeit entwickelt, muß klinisch getestet, vor allem aber auch toxikologisch geprüft werden. In Berlin geht das nicht – es fehlt an der nötigen Infrastruktur. Also läßt man diese Untersuchungen in Westdeutschland machen.

Pech für die Forscher: Ein Arzneimittel, bis zur Marktreife in Berlin entwickelt, aber außerhalb getestet, gilt nicht mehr als „in Berlin hergestellt“. Die Folge: Fördermittel, zum Ausgleich von Standortnachteilen und „zur Sicherung und Schaffung höherwertiger Arbeitsplätze in Berlin“ – Zitat aus der Gesetzesbegründung –, gibt es dafür nicht.

Dem Berliner Pharmagiganten Schering geht das nicht anders. „Doch was uns an Geldern verlorengeht, kann Schering bei der Produktion und beim Vertriebs weg wieder reinholen“, kommentiert der Mittelständler. „Das sind ungleiche Wettbewerbschancen.“

Was damit gemeint ist, geht aus zwei Untersuchungen hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erst kürzlich Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg und dem Berliner Senat vertraulich vorgelegt hat: Begünstigt durch die öffentlichen Fördergelder sind nicht so sehr die von Wirtschaftssenator Pieroth favorisierten zukunftsträchtigen Produktlinien, sondern das verarbeitende Gewerbe, und zwar vor allem die „standardisierten Massenproduktionen“, also auch Arzneimittel, die in großen Stückzahlen produziert werden. Bei Schering ist dies beispielsweise „die Pille“, die ausschließlich in Berlin hergestellt und weltweit vertrieben wird: jährlich rund 130 Millionen Packungen, Marktanteil: über dreißig Prozent.