ARD, Donnerstag, 24. März: "Aufstieg und Fall des Uwe Barschel", ein Film von Gerhard Bott

Springer steht ja schon wieder bei Fuß (Bild präsentierte just das "neue" Kieler Kabinett), und in altbewährter Kampfordnung wird man es – warum nicht? – auch wieder schaffen, wenn die FDP im Falle eines Falles nur die Räuberleiter macht. Ob der da vorne, da oben, Stoltenberg heißt oder Barschel oder Hoffmann – was tut’s.

Insofern war es schon ein gewisses Wagnis, auf das sich Gerhard Bott einließ, als er seine Analyse des Barschel-Springer-Skandals ganz auf die Figur des MP a. D. beschränkte und die Struktur (das heißt: den CDU-Industrie-Springer-Komplex) und die schleswig-holsteinischen Verhältnisse, die in diesem oder jenem anderen Bundesland so anders nun auch nicht sein werden, eher in den Hintergrund rückte. Bott ließ sich ein auf eine Personenbeschreibung, einen Lebenslauf, und mußte dabei die Erfahrung machen, daß hier gar kein Leben beschrieben werden kann, sondern nur eine Karriere. Doch dabei entstand ein Sittenbild im Geist der "comédie humaine": In der Geschichte des Uwe Barschel, der seine Jugend in einer Barackensiedlung verbrachte und sich so besinnungslos nach vorne durchkämpfte wie ein angeschossenes Tier auf der Flucht, gelang es Bott, die Geschichte eines Typs zu erzählen, eines Helden dieser Zeit.

Barschel, wie der Film ihn zeichnete, ist die bundesdeutsche Ausgabe des Heinrich Mannschen Untertans, der nach unten tritt (von wo er kommt) und nach oben nickt, der Aufsteiger schlechthin.

Bott berichtete kalt, linear, ohne Exkurse. Er hatte Archivmaterial hervorgeholt, und, tatsächlich, die Bilder sprachen für sich. Barschel als RCDS-Vorsitzender, Barschel als Fraktionschef, als Innenminister, schließlich als Ministerpräsident: man sah, daß für diesen hier nur das Amt und der damit zu erzielende Marktwert zählten – einen Mann ohne Eigenschaften, ohne Leidenschaften, ohne Ideen, ohne eine Spur von Phantasie, einen, der nichts machen, sondern nur etwas werden wollte.

Mancher mag mäkeln, daß Bott sich zu rigoros mit diesem kleinen Teil des Kieler Skandals begnügte – aber in diesem Ausschnitt: wieviel mehr!

Benedikt Erenz