Der Begriff des Lohnausgleichs sagt allein nicht genug aus

Von Peter Kalmbach

Daß es mit Oskar Lafontaine ausgerechnet der Exponent der Linken in der Führungstroika der SPD war, der eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnverzicht anregte, hätte bereits genügt, dem Vorschlag Aufmerksamkeit zu sichern. Daß die von dieser Seite erstaunliche Botschaft mitten in der Tarifauseinandersetzung des öffentlichen Dienstes erfolgte, hat sie geradezu zum Medienereignis werden lassen. Die geringe Originalität des Vorschlags selbst dürfte Lafontaine wohl bewußt gewesen sein. Auf Originalität kommt es jedoch nicht an. Was zählt, ist in der Tat ein wirksamer Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Kann eine mit Lohnverzicht verbundene Arbeitszeitverkürzung diesen Beitrag leisten?

Es gibt neben differenzierten und deshalb für die öffentliche Debatte weniger geeigneten Positionen zwei beherrschende Meinungen. Die eine sieht die entscheidende Ursache der Arbeitslosigkeit in zu hohen Löhnen und dementsprechend in Lohnsenkungen den einzig wirksamen Weg zu ihrer Beseitigung.

Dieser auf Arbeitgeberseite, aber auch in der Wirtschaftswissenschaft durchaus populären Auffassung steht die insbesondere auf gewerkschaftlicher Seite vorherrschende Uberzeugung gegenüber, daß die Arbeitslosigkeit nicht durch zu hohe Löhne erklärt und deshalb auch nicht mit Lohnsenkungen therapiert werden kann. Verwiesen wird unter anderem darauf, daß die hohen Lohnabschlüsse Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre die damalige Voll- und Überbeschäftigung keineswegs beeinträchtigt haben und daß umgekehrt die moderaten Lohnabschlüsse in den vergangenen zehn Jahren einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht verhinderten. Statt dessen wird darauf abgestellt, daß das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts schon seit den sechziger Jahren hinter dem Anstieg der – stundenbezogenen – Arbeitsproduktivität zurückbleibt, was nichts anderes als eine laufende Abnahme der effektiv geleisteten Arbeitsstunden bedeutet. In einer Arbeitszeitverkürzung scheint also die einzige Möglichkeit zu bestehen, die geringer werdende Arbeitsmenge in einer Weise zu verteilen, die einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahl verhindert oder diese sogar reduziert.

Wer auf Arbeitszeitverkürzung setzt, muß natürlich Auskunft auf die Gretchenfrage geben, wie es dabei mit den Löhnen gehalten werden soll. Der in der Debatte unreflektiert verwendete Begriff des Lohnverzichts trägt wenig zur Erhellung bei, denn es geht natürlich um die Frage des Lohnausgleichs bei Verkürzung der Arbeitszeit. Wenn in diesem Zusammenhang von einer Arbeitszeitverkürzung mit und ohne Lohnausgleich gesprochen wird, täuscht das eine Eindeutigkeit vor, die tatsächlich nicht existiert.

Unter einem vollen Lohnausgleich kann nämlich verstanden werden: