„Abstieg zur Hölle“ von Francis Girod

Es gibt solche französischen Krimis, besonders gern erscheinen sie bei Gallimard in der Serie Noire, die sind gar keine Krimis, und ihre Autoren sind auch noch stolz darauf. Da wird heftig gedacht und empfunden und nach innen monologisiert, und der Held ist meist – da kann der Autor nicht viel falsch machen – ein Schriftsteller in einer Schaffenskrise, d. h. es fällt ihm nichts ein. Die Verfilmung folgt so sicher wie das Amen in der Kirche, und man muß sie meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Da man das aber (erstens) dem Kino nicht von außen ansieht, da man (zweitens) neugierig ist auf Sophie Marceau, das neue französische Sex-Idol, und da man (drittens) Claude Brasseur liebt, geht man doch hin. Sophiechen sieht aus, als habe ihr eine Wespe in die Oberlippe gestochen (seit Brigitte Bardot genügt das offenbar, um ein Idol zu werden), und Claude Brasseur hat abgenommen (weshalb er jetzt Charles Aznavour doubeln könnte); ein tropfnaß aus dem Waschbecken gezogener Anzug brennt kurz darauf wie Zunder, Jacques Tati wird der Gag mit dem aus dem Auto geworfenen Zigarettenanzünder geklaut, und ein verstimmtes Barklavier klingt plötzlich (Musik: Georges Delerue; uns bleibt auch nichts erspart) wie ein Konzertflügel.

„Und der Innere Monolog? Wie wird der Innere Monolog filmisch umgesetzt?“ – so höre ich ungeduldig fragen. Der Innere Monolog, den wir bisher daran erkennen, daß der Betreffende den Mund hielt und trotzdem im Off zu hören wir, der Innere Monolog wird durch den feinen Kunstgriff in die Szenerie gehoben, daß im Off nicht nur eine Stimme, sondern auch eine Schreibmaschine zu hören ist, so daß man gleich merkt: Er denkt nicht nur, er schreibt es auch noch auf.

Und jetzt möchte ich bitte bald die Verfilmung eines Krimis von Jakob Arjouni oder Pieke Biermann sehen; man kann doch nicht nur Verrisse schreiben, noch dazu im März. Harry Rowohlt

„Adrian und die Römer“ von Klaus Bueb und Thomas Mauch

Ein Monumentalschinken? Über jenen legendären (H)Adrian, der als erster römischer Kaiser einen Philosophenbart trug? Der Titel mag Assoziationen dieser Art wecken. Die Kamera aber fährt nicht auf das Kolosseum zu. Sie hat ein anderes Ziel: ein einsames Haus zwischen den Klippen der Normandie. Und dort findet sie ihn: Adrian, keinen sagenumwobenen Mann, vielmehr ein irritiertes Menschlein mitten in der Midlife crisis.

Der 41. Geburtstag steht unmittelbar bevor, und wer kann sich da schon diesen drängenden Fragen „Wer bist du eigentlich?“, „Was hast du erreicht in deinem Leben?“ entziehen? Adrian packt rasch seinen Koffer und entflieht der Küsteneinsamkeit und der Zahl 41, die sich eines Morgens bedrohlich an der Wand seines Schlafzimmers zeigt. In Hamburg hofft er, dieses Menetekel loszuwerden. Vergeblich. Sein Beruf beim Fernsehen erweist sich als Farce; der Psychiater weiß auch nicht weiter. Da kommt ihm eine Affäre mit einer ehemaligen Kommilitonin wie gerufen. Adrian verliebt sich nicht nur in sie, sondern auch in ihre attraktive Tochter. Die beiden Frauen, Römer mit Namen, bringen Bewegung und Farbe in Adrians stadtneurotisches Leben, das uns Klaus Bueb (noch aus Pia Frankenbergs „Nicht nichts ohne dich“ bestens bekannt) mit Selbstironie und trockenem Humor vorspielt. Über Wortwitz und Situationskomik kann man schmunzeln, doch fehlt es dem Film an Tempo und jenem hintergründigen Esprit, den wir von einem anderen Stadtneurotiker kennen. Aber Woody Allen hat auch nicht gleich ein Meisterwerk auf die Leinwand gebracht. Und Hamburg ist nicht New York. Anne Frederiksen