Gundolf Winter: "Zwischen Individualität und Idealität – Die Bildnisbüste"

Die strenge Dame del Mazzolino, der melancholische Rinaldo della Luna, der undurchsichtige Kardinal Richelieu oder der aufmerksame Pedro de Foix Montoya, sie alle und viele mehr blicken mit ihren steinernen Augen aus den vergangenen Jahrhunderten zu uns herüber, und es scheint wirklich, als blitze noch ein Stück Leben aus diesen steinernen Köpfen, als sei da noch ein Interesse, ein Wunsch noch wach. Über Bildnisbüsten, Erinnerungswerke oder Repräsentationsstücke hat Gundolf Winter, Professor für Kunstgeschichte in Siegen, ein Buch geschrieben (Verlag Urachhaus, Stuttgart; 269 S., Abb., 58,– DM). Der Band besticht, nicht nur durch seine klare, übersichtliche Aufmachung, er verleitet geradezu zum Blättern durch die meisterhaft wiedergegebenen Abbildungen dieser Skulpturen von ihren Anfängen bis ins Barock. Und allzu gern wüßten wir, wer denn dieser Pedro de Foix Montoya gewesen ist, für wen Desiderio da Settignano die Büste der schönen Marietta Strozzi geschaffen hat (ist es überhaupt bekannt?) und was für ein Charakter dieser kühne Bildhauer Bernini war, der Porträtbüsten der bedeutendsten Köpfe seiner Zeit schuf. Zu einfache Fragen? Überflüssige Fragen? Enttäuscht legt der von den Bildern Verleitete das Buch zurück. Nicht für ihn, nur für Kunsthistoriker hat Gundolf Winter sein Buch geschrieben und auch dort nur für einen kleinen Kreis.

Elke von Radziewsky