DIE ZEIT

Versöhnung nach dem Streit

Soviel steht nach menschlichem Ermessen fest: Ende Mai treffen sich Reagan und Gorbatschow ein weiteres Mal; das Abkommen über den Abbau der Mittelstreckenraketen wird demnächst ratifiziert; die Arsenale der Vor- und Nachrüstung – die SS-20-Raketen im Osten, die landgestützten Cruise Missiles und Pershing-II-Raketen im Westen – werden verschwinden.

Vermächtnis

Über tote Gegner läßt sich trefflich trauern. Aber angesichts der Machtkämpfe im Hause Springer erinnert sich die Generation der „Enteignet-Springer“-Demonstranten fast schon mit Wehmut ihres alten Feindbildes.

Zeitspiegel

Aus Fehlern lernt nur, wer die Folgen selbst gespürt hat. Dies gilt offenbar auch für die weltweite Ökologiebewegung. Während in der Bundesrepublik die Grünen sich längst parlamentarischen Gepflogenheiten angepaßt haben, hält in Uruguay die Ethisch-Ökologische Grüne Partei (PEEV) unverdrossen an grünen Grundprinzipien fest.

Worte der Woche

„So könnt ihr das mit mir hier nicht machen. Ich erwarte, daß das Kabinett das Ding gleich verabschiedet, und zwar einstimmig.

Streit in der Koalition: "Reif für den Einmarsch"

Unumstritten ist eigentlich nur, daß der Kanzler auf den Tisch gehauen hat. Ob dies aber, außer zur Erleichterung seines Seelenhaushalts, auch politisch nützlich war und was diese Explosion bewirkt hat, ist bei weitem nicht so sicher.

Signale für mehr Freizügigkeit

Erich Honecker weckt Hoffnungen. Das wirkt paradox in einem Augenblick, in dem die letzten Repressalien gegen Ausreisewillige und Aufbegehrende erst wenige Wochen zurückliegen und sich im Verbot für westliche Journalisten fortsetzen, an Kirchensynoden teilzunehmen.

Friedensprozeß in Mittelamerika: Sprung über den eigenen Schatten

Gehofft haben viele, aber die meisten waren doch verwirrt. "Wieso hat die Contra plötzlich unterschrieben?" fragte sich Luis Guzman, Abgeordneter der sozialchristlichen Volkspartei (PPSC) in der nicaraguanischen Nationalversammlung, noch am Wochenende ratlos.

Wolfgang Ebert: Zwischen-Zensuren

Stoltenberg: Durch seinen unaufhaltsamen Leistungsabfall ist Gerhard in eine tiefe Krise geraten. Besonders schwere Fehler sind ihm in seinem Lieblingsfach, dem Rechnen, unterlaufen.

Nationaler Volkskongreß in Peking: Erlaubt ist, was Erfolg verspricht

Amt und Autorität müssen nicht unbedingt zusammenfallen. Wo in China die Fäden der Macht zusammenlaufen, zeigte sich am vergangenen Freitag bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses: Nicht Parteichef Zhao Ziyang betrat als erster das Podium an der Stirnseite der Großen Halle des Volkes, auch nicht der amtierende Ministerpräsident Li Peng, der wenig später Rechenschaft über die Arbeit der Regierung ablegte.

Neues Geld für altes Gas

Alle seit dem Zweiten Weltkrieg bis 1968 hergestellten C-Waffen der US-Armee sollen vernichtet werden. Ihre Zerstörung ist teurer als die Herstellung

Lautloser Tod

Leichen bedecken zu Hunderten die Straßen. Köpfe, Arme und Beine schauen zwischen den Trümmern zerstörter Häuser hervor. Tote Mütter halten ihre leblosen Kinder in krampfhafter Umarmung; Frauen und Männer sitzen wie Wachsfiguren hinter dem Steuer ihrer Autos, wo sie der Tod ereilt hat.

BONNER BÜHNE: Politik, frisch vom Konditor

Große Krisen sind über die Osterwochen in Bonn nicht zu erwarten – mangels Masse. Weder ist der Kanzler präsent, um per Faustschlag für Dramatik, zu sorgen; er hungert mit seinem Leidensgefährten, dem Bundestagspräsidenten Jenninger, in Bad Hofgastein.

Apartheid im Krankenhaus

Der Orthopäde Winfried Beck, Vorsitzender des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, hat sich auf Einladung der südafrikanischen Medizinervereinigung National Medical and Dental Association über das Gesundheitswesen im Apartheid-Staat informiert.

Washington-Moskau: Neuer Gipfel im Mai

Die Regierungen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wollen zwar mit allen Kräften versuchen, noch vor der Visite Ende Mai einen Vertrag über die Reduzierung der strategischen Kernwaffen unterschriftsreif zu machen, Das aber ist keineswegs gesichert: Gemessen an den Verhandlungsergebnissen der vergangenen drei Monate gilt die rechtzeitige Lösung der offenen Fragen für den Abschluß des START-Vertrages eher als unwahrscheinlich.

Agenten-Fang

Ein Unternehmer, drei Ingenieure und zwei Lehrer: Die mutmaßlichen Spione, die jetzt im Schleppnetz des Verfassungsschutzes und Bundeskriminalamtes hängengeblieben sind, bilden eine buntgemischte Gesellschaft.

ČSSR: Protest der Gläubigen

Am vorigen Freitag lösten Sprühwagen der Straßenreinigung eine Demonstration von zweitausend Katholiken in der slowakischen Hauptstadt Bratislava auf.

Nazis for sale

Ein Staatsanwalt kommt selten allein. Als Detlev Mehlis am 11. Dezember 1987 das Bürohaus am Neuen Wall Nr. 75 in der Hamburger Innenstadt betritt, bringt er zwei Kriminalpolizisten mit.

Im Osten wird gemauert

Der Brief an die tschechoslowaki- sche Botschaft in Bonn klang freundlich, die Bitte um eine Forschungsgenehmigung war ausführlich begründet.

Bonner Kulisse

Lüftet sich eines der in Bonn bestgehüteten Geheimnisse? Die Nachfolge des nach Brüssel an die Nato-Spitze abwandernden deutschen Verteidigungsministers Manfred Wörner, nach Aussagen der engsten Umgebung des Kanzlers nur Helmut Kohl selbst bekannt, läuft aufeinen Minister zu, von dem es gegenwärtig heißt, er räume seinen Schreibtisch auf: Heinz Riesenhuber.

Thomas Hanke:: Das magische Datum

Der große EG-Binnenmarkt hat sich vom spröden Thema für Spezialisten zu einem in der breiten Öffentlichkeit verankerten Begriff gemausert.

Ihr Name war Hase

Die Behörden wußten seit langem, daß auch Schokolade mit der Chemiekalie Per belastet ist

Konzentration am Reifenmarkt: Auf der Strecke geblieben

Lutz Radtke macht sich nichts vor: „Das Thema ist beendet, wir werden in dieses Angebot bestimmt nicht eintreten.“ Mit seiner Einschätzung dürfte der Marketing- und Vertriebsvorstand der deutschen Pirelli-Tochter ziemlich genau die Einschätzung seiner Vorgesetzten in der Mailänder Zentrale des italienischen Reifen-Multis treffen.

Berlinförderung: Ein lukrativer Trick

Die Firma Helopharm ist ein Unternehmen so ganz nach dem Geschmack des Berliner Wirtschaftssenators Elmar Pieroth. Der mittelständische Pharmabetrieb, eine GmbH & Co.

Arbeitszeitverkürzung: Eine ungeklärte Gretchenfrage

Daß es mit Oskar Lafontaine ausgerechnet der Exponent der Linken in der Führungstroika der SPD war, der eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnverzicht anregte, hätte bereits genügt, dem Vorschlag Aufmerksamkeit zu sichern.

Markt-Report: Steigende Kurse

Die letzte Märzwoche brachte dem deutschen Aktienmarkt Verluste. Der wieder labile Dollar, die Angst vor steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten, die Aussagen auf der Siemens-Hauptversammlung und nicht zuletzt Falschmeldungen über Kurzarbeit bei Daimler lösten massive Gewinnmitnahmen des Berufshandels und der institutionellen Anleger aus.

Bank und Börse: Sonderangebote für Bauherren

Wenn Oscar Schneider auf die privaten Investoren am Immobilienmarkt zu sprechen kommt, gibt er derzeit gern einen Bauernspruch zum besten: „Die Pferde stehen bis zum Hals im Wasser, sie saufen nur noch nicht.

MANAGER UND MÄRKTE

Eigentlich wollte Ludwig Poullain beruflich nie wieder mit einer Bank zu tun haben, seit er vor fast genau zehn Jahren wegen eines umstrittenen Beratervertrages seinen Chefsessel bei der Westdeutschen Landesbank räumen mußte.

Risiken mindern

ZEIT: Wenn eine Firma ein Gewässer verseucht, haftet sie für den entstandenen Schaden – völlig unabhängig von der Schuldfrage.

ZEITRAFFER

Der Stromverbrauch in der Europäischen Gemeinschaft war 1987 mit 1566 Milliarden Kilowattstunden um 3,3 Prozent höher als im Vorjahr.

Soziale Sicherung: Nur nicht den Mut verlieren

Meinhard Miegel hat neulich in der ZEIT gefordert, die Rentenversicherung müsse „endlich auf die Füße gestellt“ werden. Im Rahmen des alten Systems sei sie nicht zu retten.

Medien: Rückzug aus der Provinz

Die Jugendfußballer vom VfR Sölde rieben sich die Augen, als plötzlich ein Kamerateam auf ihrem Sportplatz auftauchte. Sie waren zwar stolz auf die Meisterschaft, aber das sich dafür sogar das Fernsehen interessierte, wollten sie zunächst gar nicht glauben.

Aids-Mäuse und Schlimmeres

Biowissenschaftler sind den Anblick von Mäusen gewohnt. In den meisten Laborsdieser Welt spielen die Nagetiere die Rolle von Versuchskaninchen; da gibt es nackte Mäuse, Mäuse ohne Schwänze und Mäuse mit allerlei exotischen Krankheiten.

Ein Gen-Gau in Paris?

Neben den gedrungenen, ein Jahrhundert alten und von kleinen Gärten umgebenen Stein- und Backsteintrakten des Institut Pasteur in Paris sieht die molekularbiologische Abteilung unpersönlich aus wie ein im Schnellverfahren hochgezogenes Provinz-Universitätsgebäude.

Die Ein-Mann-Bewegung

Eine amerikanische Zeitschrift hat ihn vor kurzem unter die „150 einflußreichsten Personen des Jahres“ gewählt; Gentechniker würden ihn vermutlich, wenn man sie fragte, zu den zehn lästigsten Personen des Jahrzehnts zählen: Jeremy Rifkin, ein streitbarer Gegner jeglicher Form von Erbgutmanipulation, ist jedenfalls kein Mann, der einer Kontroverse aus dem Weg geht.

Auf der Suche nach neuen Formen der Religiosität geht der Blick zurück zu den Anfängen, zu den unterdrückten Schriften des Urchristentums, in eine Zeit, als Osten und Westen noch eins waren.: Das Geheimnis des Kruges von Nag Hammadi

Aus dem Umbruch, dessen Zeugen wir tagtäglich sind, gibt es kein Zurück zum Alten, Gewohnten. Dieser Bewußtseinswandel ist vielleicht nur mit dem zu vergleichen, was sich vor zweieinhalb Jahrtausenden in der „Achsenzeit“ (das Wort stammt von Karl Jaspers) ereignete, als sich der Übergang vom archaisch-mythischen zum rationalen Bewußtsein gleichzeitig an den verschiedensten Orten der Welt ereignete.

Das christliche Osterfest feiert das Ende der Unheilsgeschichte und den Beginn der Heilsgeschichte. Das Osterei verkörpert die ewige Wiederkehr des Gleichen, die Fortzeugung des Lebens als Fortzeugung des Todes.: Das Osterei und der Fluch der ewigen Wiederkehr

Nicht etwa als Gebilde der Volkspoesie taucht das Osterei zuerst auf, sondern in mittelalterlichen Rechnungsbüchern, die höchst prosaisch das Kontingent an Eiern verzeichnen, das die Landbevölkerung ihrer gräflichen oder klösterlichen Herrschaft zu Ostern abzuliefern hatte.

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