Die Behörden wußten seit langem, daß auch Schokolade mit der Chemiekalie Per belastet ist

Von Herbert Schäfer

Die schwäbische Obrigkeit leistet sich beim Skandal um das mit krebsverdächtigem Perchlorethylen (Per) verseuchte Olivenöl einen Ausrutscher nach dem anderen. Erst hatte das Stuttgarter Umweltministerium – trotz alarmierender Analysen der staatlichen Labors – die ganze Angelegenheit heruntergespielt. Jetzt wurden die Ordnungshüter zurückgepfiffen.

Seit dem vergangenen Wochenende müssen sie sich im Hauptquartier an der Neckarstraße im Schweigen üben, wie schon einmal im September 1985: Damals wurde dem Wirtschaftskontrolldienst (WKD) der baden-württembergischen Landespolizei per Ministerialanweisung untersagt, die Öffentlichkeit über ihre Fahndungserfolge beim Flüssigei für Nudeln zu informieren, das ein holländischer Fabrikant mit Bakterien, Hühnermist und Resten toter Küken angereichert hatte.

Auch bei der von ihnen jetzt aufgedeckten Panscherei mit Speiseöl aus Italien, Spanien und Frankreich setzten sich die Beamten für vorbehaltlose Verbraucheraufklärung ein – vergeblich. Der Stuttgarter Regierungspräsident Manfred Bulling verpaßte ihrem Chef, dem Polizeipräsidenten Hans Peter Sturm, einen Maulkorb.

„Als loyaler Staatsdiener“ bat Sturm neugierige Journalisten nun um Verständnis dafür, daß er der Weisung von oben zu folgen habe. Sein vorläufig letzter Presseservice: die Mitteilung der Telephonnummer von Bullings Sprecher Walter Weik, an den sich doch, bitteschön, wenden möge, wer sich für die Namen verdächtiger Ölimporteure und deren Produkte interessiere.

Weik spielte nicht mit. Statt dessen lobte er in einer 82-Zeilen-Erklärung die „herausragende Form“ seines Dienstherrn Bulling in Sachen Verbraucherschutz. Der habe eine „flächendeckende Blitzaktion im Lebensmittelhandel gestartet und halte es für „rechtswidrig und verantwortungslos“, der Öffentlichkeit Roß und Reiter zu nennen, da es nur um „vereinzelte Verunreinigungen von Olivenöl mit Perchlorethylen“ handle.