Für die Wirtschaftsentwicklung der Region hat die Kunst eine nicht unerhebliche Bedeutung

Von Klaus R. Kunzmann

Die Umstrukturierung der Wirtschaft im Ruhrgebiet ist in vollem Gange. Angesichts der Erfolge in Dortmund und vieler beispielhafter Initiativen der Kommunen, des Landes und der regionalen Wirtschaft besteht durchaus Grund zu Optimismus.

Im Orchester der Bemühungen um die Gesundung der Region spielen neue High-Tech-Betriebe und die kontinuierlich wachsende Umweltwirtschaft die erste und zweite Geige, während Stahl, Bergbau und Energie traditionell lautstark die Trommeln rühren. Der Kultur, so hat es den Anschein, fällt bisher nur der Part des Triangelspielers zu. Dabei gewinnt sie mit dem Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft aus drei Gründen zunehmende Bedeutung:

  • Kultur ist „Ausdruck und Mittel der spezifischen Evolution des Menschen, ihrer kontinuierlichen Höherentwicklung und Selbstvervollkommnung“, so definiert es der erfolgreiche Frankfurter Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann. „Teilhabe an der Kultur“ ist aber auch, so schreibt er an anderer Stelle, „eine Form sinnvollen Konsums gesellschaftlichen Reichtums“.

Kultur ist also mehr als nur passive oder aktive Freizeitgestaltung, mehr als Kreativitätsschule für die post-industrielle Gesellschaft. Sie ist, wie die Umwelt, Voraussetzung zum Überleben.

  • Kultur ist ein Imagefaktor für Städte und ein Standortfaktor für die Wirtschaft. Daskulturelle Image einer Stadt bestimmt, heute mehr als je zuvor, ihre Attraktivität. Nicht nur die Wirtschaftsförderer von Köln, Berlin oder München, auch die von Bochum, Dortmund und Essen wissen, daß potentielle Investoren und deren Familien ein am Ort angebotenes, leicht zugängliches und qualitativ hochwertiges Kulturangebot für zunehmend wichtig erachten, sei es für die eigene Freizeitgestaltung, oder weil sie die Attraktivität hoch einschätzen, die ein solches Kulturangebot für Geschäftspartner und Kunden, aber auch für hochqualifizierte Arbeitskräfte hat.
  • Kultur schafft schließlich auch unmittelbar Arbeitsplätze. In einer Zeit, in der jeder gesicherte und neu geschaffene Arbeitsplatz eine so große Rolle in allen lokalen Auseinandersetzungen spielt, in der Projekte oft nur darauf geprüft werden, wieviel Arbeitsplätze sie sichern oder neu schaffen, sind selbst die Beschäftigungswirkungen der Kulturpolitik kommunalpolitisch bedeutsam, vor allem die Wirkungen, die nicht von öffentlichen Haushalten abhängen.