Auch bei den weiblichen Kadern der Germanen-Gemeinschaft setzt sich eine beständige Familientradition fort. Erika Biber (1925 – 1987), ehemalige Führerin im nationalsozialistischen „Bund Deutscher Mädel“, brachte nach 1965 ihre gesamte Familie in die volkstreue Jugendbewegung, ihren Mann Sepp und die beiden Töchter Hildrun und Edda, verheiratete Schmidt. Hildrun Biber ist heute Chefin der Jungmädel auf Bundesebene, und Edda, die einen Buchversand in Baden-Württemberg betreibt, sorgte ihrerseits reichlich für Nachwuchs bei der Nordland-Elite. Diethelm Herwart, Irmhild und Ortrun sollen das „unermüdliche Wirken für die volkstreue Sache“ fortsetzen. Doch Frau Edda erhob jüngst die Streitaxt und zeichnet fürderhin nicht mehr für die Schriftleitung des Wikinger verantwortlich. Sie ist verärgert über den Einzug neumodischer Sitten auf WJ-Lagern. So sei im volkstreuen Zentrum in Hetendorf (Lüneburger Heide) eine „Odal-Klause“ eingerichtet worden, in der das Nikotin-, Alkohol- und Jeansverbot mißachtet werde.

Mit dem neuen Schriftleiter des Vereinsorgans bleibt auf jeden Fall die Kontinuität gewahrt. Walter Matthaei (71) war nämlich Gründer und erster Bundesführer der „Wiking-Jugend“. Der ehemalige „Reichsjugendführer“ der (1952 verbotenen) „Sozialistischen Reichspartei“ (SRP) verband im Dezember 1952 die Restbestände der „Reichsjugend“ mit dem „Vaterländischen Jugendbund“ und Teilen der „Deutschen Unitarier-Jugend“ zur „Wiking-Jugend“. Ein Jahr später knüpfte Matthaei wichtige internationale Kontakte beim „3. Kongreß der Europäischen Neuordnung“ (ENO), die sich für seine Organisation bis heute auszahlen. Die „Wiking-Jugend“ gibt es nämlich auch in den Niederlanden, Frankreich, England, Norwegen, Spanien und der Schweiz.

Matthaei, Mitte der fünfziger Jahre diskreditiert, weil sein persönliches Interesse an den Elite-Knaben zu groß gewesen sein soll, blieb dann in Spanien. Nur gelegentlich kam er zu Vorträgen über die Pyrenäen. Doch als Michael Kühnen nach dem Verbot der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (ANS/NA) im Dezember 1983 nach Frankreich floh, war es „Capitan Walter“, mit dem der ANS/NA-Führer und sein Stellvertreter Thomas Brehl weiter nach Spanien reisen sollten, um eine „gesamteuropäische nationalsozialistische Allianz“ ins Leben zu rufen.

„Capitan Walter“, „glühender Nationalsozialist und Ordensjunker“ (Brehl), lebt heute auf der Finca El Tiemblo in der Provinz Avila. Er gründete einen Verlag und verkaufte eine Zeitlang jede Woche NS-Literatur auf dem Madrider Flohmarkt. Er arbeitete auch mit der Terrororganisation „Spanische Jugendbrigade“ zusammen, deren Mitglieder auf El Tiemblo an Maschinenpistolen und Gewehren aller Kaliber ausgebildet wurden. Später sollen etliche Schießereien in Barcelona, Valencia und Valladolid auf ihr Konto gegangen sein.

Die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung schrieb 1980 über Walter Matthaei. „Er ist kein Irgendwer, sondern einer der besten Experten im ‚verdeckten’ Krieg und im Guerillakampf, den es in Europa gibt... Blas Pinar (spanischer Faschistenführer) hat sich einen Mitarbeiter gesichert, der unauffälliger und wirksamer arbeitet als der bayerische Chef der ‚Wehrsportgruppe Hoffmann‘. Matthaei ist ein eiskalter SS-Typ ...“

Im Wikinger bekennt Matthaei freimütig, man brauche nicht schüchtern zu fragen, „ob ich auch damals dabei war. Natürlich war ich, bin ich und werde ich sein“. Er legt noch ein weiteres Geständnis ab: „Der Mythos der Demokratur hat mich kaum beleckt; es sei denn ein kleines bißchen an meiner schon verrunzelten Sitzfläche.“