Von Viola Roggenkamp

Es riecht nach Parfüm. Die Luft ist angefüllt mit herben und süßlich schweren Duftnoten. Wie im Vorraum zu einem Ballsaal oder im Foyer eines Theaters. Die dazugehörigen Damen und Herren aber sind weit davon entfernt, heiterer Stimmung zu sein. Zum einen befinden sie sich nicht etwa im Atlantic, sondern im Vortragsraum der Hamburger AOK-Zweigstelle Hoheluftchaussee, und zum anderen haben sie sich mit ihren unterschiedlichen Parfums bloß überschüttet, um ihren Nikotingestank zu vernebeln; diesen scharfen, durchdringenden Geruch nach ranzigem Tabaksaft und nasser Schlacke.

"Eine Chance für Raucher – Nichtraucher in zehn Wochen": Der Informationsabend unter diesem Motto hat noch nicht begonnen, aber die Kursleiterin ist bereits da: "Sie können draußen noch eine rauchen", sagt sie, und wie ein Mensch erheben sich 25 Menschen und suchen das Weite, pardon: einen Aschenbecher. Doch dieses Requisit wurde hier bereits abgeschafft. "Darf es auch die Untertasse sein?" fragt einer. Ausnahmsweise.

Die gespannte Erwartung hat nun ihren Tiefpunkt erreicht. 25 Menschen stehen beieinander, ohne miteinander zu reden, und rauchen wie 25 Raucher, denen das Liebste genommen werden soll. "Wer täglich 20 Zigaretten raucht, nimmt im Jahr etwa eine Tasse Teer auf", verrät eine Broschüre, in der es von Vorwürfen wimmelt: "Gift in Raten" – "Raucherbein" – "Gefahr für das Ungeborene" – "Herzinfarkt" – "Atemnot" – "Schlechtes Vorbild" – "Krebs" – "Und Sie?"

"Wir werden nicht als Raucher geboren", tröstet die Kursleiterin, die eine Quartalsraucherin gewesen sein will, was ihr niemand abnimmt. "Wahrscheinlich hat die nie richtig inhaliert." Sie fährt fort, als hätte sie nichts gehört.

"In den ersten beiden Wochen dürfen, nein, sollen Sie rauchen wie immer, damit wir feststellen können, wann und wieviel Sie rauchen. Für jede gerauchte Zigarette machen Sie auf einem Blöckchen einen Strich, und zwar vor dem Anzünden!" In der dritten Woche werde dann reduziert. "Zunächst dort, wo es Ihnen am leichtesten fällt, etwa im Auto, auf der Straße, beim Telephonieren. Nicht mehr geraucht werden sollte im Idealfall ab der sechsten, siebten Woche."

Das Max-Planck-Institut habe über viele Jahre dieses Nichtraucher-Training an starken Rauchern entwickelt. Es gehe darum, "das eingeübte Verhalten, das Sie an die Zigarette kettet, wieder zu verlernen". – Unterdrücktes Gehuste.