Große Krisen sind über die Osterwochen in Bonn nicht zu erwarten – mangels Masse. Weder ist der Kanzler präsent, um per Faustschlag für Dramatik, zu sorgen; er hungert mit seinem Leidensgefährten, dem Bundestagspräsidenten Jenninger, in Bad Hofgastein. Noch kann CDU-Generalsekretär Geißler, den manche in seiner Partei auf gefährlichem Wege sehen, für Schlagzeilen sorgen; er ist auf Bergtour.

Einige Minister haben offiziell Urlaub angemeldet (Engelhard, Riesenhuber, Möllemann), bei manchem anderen heißt die Formel: „Zu erreichen über Ministerbüro.“ Bangemann und Blüm zum Beispiel suchten die sonnigen Gestade des Mittelmeers. Sogar Kanzleramtsminister Schäuble, der sonst nur schwer von seinem Bonner Schreibtisch wegzubringen ist, gestattete sich eine Pause. Einer freilich harrt wie üblich – man kann nie wissen – in der Bonner Hauptstadt aus: Hans-Dietrich Genscher.

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Wenn’s nicht zur krachenden Krise reicht, an zänkischen Kontroversen in der Koalition und in der Union muß deshalb kein Mangel sein. Der Mittelständler Hansheinz Häuser, Konditormeister und stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender, will Heiner Geißler „beibringen, daß er auf falschem Weg ist“. Für ihn ist, um im Bild zu bleiben, seine Partei ein Betrieb zur Produktion von Sahnetörtchen und Marzipan-Eiern geworden. Im ernsthaften Politikerdeutsch ausgedrückt: Die Geißler-CDU lege zu viel Gewicht auf sozialpolitische Forderungen und drohe ihr wirtschaftspolitisches Profil zu verlieren; sie laufe Gefahr, daß die mittelständischen Wähler sich ihr entfremdeten und sogar nach rechts gedrückt würden.

Der Diskussionsentwurf für den Bundesparteitag der CDU vom 13. bis 15. Juni („Das christliche Menschenbild als Grundlage unserer Politik“), den eine Kommission unter Vorsitz von Geißler erarbeitet hat, fand keine Gnade. Hauser erkannte in der Hauptsache „Umverteilungstheorien“, und er belehrte seinen Generalsekretär über die Grundtatsachen des Lebens: „Auch als christlicher Politiker muß man wissen, daß man jede Mark erst einmal verdienen muß und sie danach auch nur einmal verteilen kann.“

Daß der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, der Berliner Wirtschaftssenator Pieroth, und eine ganze Reihe von Ministern Mitglieder der Kommission sind, zählt für Hauser und seine Freunde nicht. Die Konservativen in der Union schießen sich auf Geißler ein. Am schrillsten formulierte, wie meist, der Abgeordnete Todenhöfer: Geißler biete nur noch eine modische Variante der früheren sozialliberalen Politik, sein Kurs sei „für die CDU und die Bundesrepublik lebensgefährlich“.

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