Für viele Anbieter ist das Lokalfernsehen ein finanzieller Mißerfolg

Von Horst Röper

Die Jugendfußballer vom VfR Sölde rieben sich die Augen, als plötzlich ein Kamerateam auf ihrem Sportplatz auftauchte. Sie waren zwar stolz auf die Meisterschaft, aber das sich dafür sogar das Fernsehen interessierte, wollten sie zunächst gar nicht glauben. Ähnlich ging es den Sängern vom Gemischten Chor Blau Weiß in Lütgendortmund, als auch bei ihnen Fernsehmacher auftauchten. Inzwischen haben sich Vereinsvertreter und Lokalpolitiker, Fußgänger und Autofahrer an die "Leute vom Fernsehen" gewöhnt, denn in Dortmund wird seit über zweieinhalb Jahren Lokalfernsehen produziert.

Auch in Schweinfurt und Würzburg reagierten die Bürger in den letzten Wochen erstaunt, als sie immer öfter im Stadtbild auf Kameramänner von RTU Radio Television Unterfranken stießen, die die bunten Bilder für die abendliche Tele-Schau produzierten. Beim Tochterunternehmen, der ortsansässigen Main Post, bleibt man allerdings skeptisch. "Wir haben jetzt für eineinhalb Jahre einen Versuch gestartet. Wenn es nicht klappt, machen wir wieder dicht," meint Geschäftsführer Wiesemann.

Lokalfernsehen – dieses Wort hat noch vor wenigen Jahren Verleger und Jungunternehmer elektrisiert. Von dem Fernsehen vor Ort versprachen sie sich die Medienzukunft und vor allem eine Quelle für die "schnelle Mark". Aber dazu ist es nicht gekommen. Lokalfernsehen wurde zum Minusgeschäft.

Inzwischen haben viele der einst zahlreichen Interessenten beim Lokal-TV die Segel gestrichen. Die Parole "Auf zu neuen Ufern", ist verhallt. Vor allem die Tageszeitungsverleger haben in der Mehrzahl ihre Pläne in der Schublade verschwinden lassen. Denn die Fernsehproduktion ist trotz der auch dort zügig fortschreitenden Elektronisierung und damit verbundener Rationalisierung immer noch sehr personalintensiv. Kaum ein privater Produzent hat bisher die Ausgaben und Einnahmen zur Deckung gebracht.

Dabei stoßen lokale Fernsehprogramme beim Bürger auf großes Interesse. Unter den öffentlichrechtlichen Sendern erreichen vor allem die Stadtsender Radio Bremen und der Sender Freies Berlin hohe Einschaltquoten mit ihren Lokalprogrammen. Ähnliches gilt auch für das Versuchsprogramm des WDR beim Kabelfunk in Dortmund.