Die Zinsen für Hypothekendarlehen sind so niedrig wie lange nicht mehr

Wenn Oscar Schneider auf die privaten Investoren am Immobilienmarkt zu sprechen kommt, gibt er derzeit gern einen Bauernspruch zum besten: „Die Pferde stehen bis zum Hals im Wasser, sie saufen nur noch nicht.“ Der Bundesbauminister will damit zweierlei sagen: Die Zinsen für Hypothekendarlehen sind momentan so niedrig wie schon lange nicht mehr, die Baufinanzierung mithin günstig. Und trotzdem finden sich kaum Bauherren, die sich verschulden. Der Drang zum Eigenheim ist zwar ungebrochen, doch dafür werden immer weniger Mietwohnungen gebaut. Viele Investoren halten sich zurück, weil sie auf lange Sicht mit einer schlechten Rendite rechnen. Dennoch gibt es hier und da immer noch lohnende Objekte. „Profis können nach wie vor Schnäppchen machen“, weiß Thomas Vorwerk, Geschäftsführer der Münchner Beratungsfirma Südprojekt. Er sagt aber auch: „Laien sollten bei ihrem Investment vorsichtig sein.“

Der Minister spricht nicht von Vorsicht, er rät vielmehr bei jeder sich bietenden Gelegenheit: „Wer bauen kann, der sollte jetzt bauen.“ Der Diskontsatz sei mit 2,5 Prozent so niedrig wie zuletzt 1875. Zu diesem Satz können sich die Kreditinstitute derzeit bei der Bundesbank refinanzieren.

Seit dem Börsenkrach im vergangenen Jahr sorgt die Notenbank für billiges Geld auf dem Kapitalmarkt. Deshalb ist zwischenzeitlich auch kaum eine Woche vergangen, in der nicht ein Kreditinstitut seine Hypothekenzinsen gesenkt hat. Im Oktober verlangten die Banken für Baudarlehen mit fünfjähriger Zinsfestschreibung noch runde 7 Prozent, im November lagen die attraktiven Angebote bei 6,5 Prozent. Und mittlerweile sind Fünfjahreshypotheken wieder so günstig zu haben wie im Frühjahr 1987, sie kosten meist knapp unter sechs Prozent Zinsen. So billig wie vor zehn Jahren indes kommt der Bauherr heute noch nicht an geliehenes Geld. Damals konnte er Fünfjahreshypotheken zu 5,5 Prozent bekommen. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen gilt als sehr gering. Das Gros der Bauherren und Hauskäufer rechnet vielmehr damit, daß die Zinsen über kurz oder lang wieder steigen werden. Deshalb sichern sie sich langfristig die günstigen Konditionen. Darlehen mit einem über zehn Jahre festgeschriebenen Zins sind derzeit am meisten gefragt. Bei Banken liegt der anfängliche effektive Jahreszins dafür derzeit zwischen 6,8 und 7,4 Prozent. Diese Werte ermittelte die Firma HCA Hypotheken-Computer-Analyse in Hannover am Freitag der vergangenen Woche.

Der Effektivzins gilt als Richtgröße, um die Konditionen der Darlehensgeber besser auf einen Blick vergleichen zu können. Entsprechend der Preisangabenverordnung sind nämlich auch Nebenkosten und Bearbeitungsgebühren eingerechnet. Allerdings sollte man es nicht bei dieser Formel bewenden lassen, sondern sich die Mühe machen, alle Kreditkosten einzukalkulieren. „Denn bei einigen Instituten“, so HCA-Geschäftsführer Dieter Werschke, „gibt es durchaus Abweichungen.“ Da kämen Wertermittlungsgebühren hinzu, Bereitstellungszinsen und bestimmte Abschlußgebühren, die nicht Teil der Formel seien, aber ein paar tausend Mark ausmachen können. Das gilt für alle Gruppen, die Hypothekendarlehen anbieten – ob Banken und Sparkassen oder Lebensversicherer.

Die Assekuranz mischt seit eh und je im Hypothekengeschäft mit – allerdings auf eine etwas andere Art. Für ein Versicherungsdarlehen müssen über die Jahre nur Zinsen gezahlt werden; getilgt wird der Kredit am Ende der Laufzeit mit einer Lebensversicherung, für die natürlich Prämien anfallen. Die Assekuranz hat gegenüber den Kreditinstituten dabei den Vorteil, daß sie sich nicht das Geld für die Hypotheken auf dem Kapitalmarkt erst beschaffen muß. Die Gesellschaften können vielmehr direkt auf die Gelder der Versicherten zurückgreifen. Dadurch liegen die Effektivzinsen der Lebensversicherer auch meist unter denen der Banken. Derzeit macht die Differenz etwa einen knappen halben Prozentpunkt aus.

Nach der HCA-Hitliste vom Freitag der vergangenen Woche liegt die Universa Lebensversicherung im Zehnjahresbereich auf Platz eins – gemessen nur am Effektivzins von 6,42 Prozent. An zweiter Stelle rangiert der Volkswohl-Bund mit 6,44 Prozent, an dritter die Kölnische Lebensversicherung mit 6,49 Prozent. Bei den Kreditinstituten führt die Badische Landesbank die Riege der günstigen Institute an mit einem Effektivzins von 6,80 Prozent, gefolgt von der Allgemeinen Hypotheken Bank (AHB) und der Bayerischen Handelsbank mit jeweils 6,94 Prozent.