Köln

Für Kölns Oberbürgermeister Norbert Burger ist die Sache klar. Von ihm bekommt der Preußenkönig keinen Pfennig. Der Sozialdemokrat hält den „hochseligen“ Friedrich Wilhelm III. für ein Symbol der Restauration. Doch auch ohne die Privatgroschen des obersten Kölners kehrt der Hohenzollernmonarch, unter dessen Herrschaft die Stadt und das Rheinland 1815 preußisch wurden, ins heilige Köln zurück: Spätestens im nächsten Jahr soll das Reiterdenkmal von Friedrich Wilhelm III. nach über 40jähriger Abwesenheit wieder auf dem ehrwürdigen Heumarkt stehen – mit Blick auf den Rhein, versteht sich.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Der Luftdruck britischer Bomben hatte Preußens Gloria kurz vor Kriegsende vom Sockel gefegt und Köln ohne sein Zutun von einem nicht gerade besonders geliebten Demonstrationsstück preußischer Machtpolitik befreit. Und was die Briten nicht schafften, besorgten die Kölner anschließend selbst. Gnadenlos wurden der Monarch und sein Pferd, die den Sockelsturz noch gut überstanden hatten, nach dem Krieg demontiert.

Gegen Butter, Eier, Speck und Kartoffeln verhökerten und verschrotteten sie den zerbrochenen König. Seitdem bimmeln Überreste des Preußen als Glöckchen im Kirchturm eines 460-Seelen-Dorfes im Siegerland. Am Ende blieben von Roß und Reiter nur der Kopf des Monarchen, ein Arm, die kalte Pferdeschnauze und das gewaltige Hinterteil des Pferdes übrig. Unversehrt überlebten die kölsche Vergangenheitsbewältigung lediglich die 16 Staatsmänner und Feldherren sowie zwei Reliefplatten, die gemeinsam den Fuß des Standbildes gesäumt hatten. Aber die preußischen Reformer und Helden des Befreiungskrieges wurden erst in den siebziger Jahren wieder aus den städtischen Depots geholt und als „Kunst am Bau“ auf die gesamte Stadt verteilt.

„Ja, wenn das Denkmal stehengeblieben wäre, wäre es gut“, sagt Oberbürgermeister Burger. Ist es aber nicht. Die Abrechnung mit den Hohenzollern und dem Reiterstandbild, das 1878 zum Gedenken an die Eingliederung des Rheinlandes nach Preußen eingeweiht worden war, fiel so gründlich aus, daß Kölns Stadtkonservatorin, Hiltrud Kier, die Denkmal-Fledderei „als Rache an den Preußen und deren vermeintlichen nationalsozialistischen Nachfolgern“ charakterisiert. Die „bewußte Demontage“, resümiert Kier, sei „ebenso emotional bedingt gewesen wie vergleichsweise der Abbruch des Hohenzollernschlosses in Ost-Berlin“.

Wie eine Provokation wirkte daher 1978 der Vorschlag der Stadtkonservatorin, das Standbild an seinem alten Platz wieder aufzubauen. Köln war empört, und die Stadtväter gingen auf Distanz. „Die Stadt hat sich entschieden, keine besonderen Anstrengungen für ein Aufstellen des Standbilds zu machen“, erklärt Burger nüchtern die Haltung des Rats. Die Rückkehr Friedrich Wilhelm III. sollte jedoch nicht am fehlenden (Geld-)Segen der Stadt scheitern. Schon 1878 hatte ein Bürgerkomitee für das Reiterstandbild geworben, nun sammelte der Kölner Verkehrsverein, um dem König wieder aufs Pferd zu helfen.

„1815 ist für Köln und das Rheinland eben immer noch ein Trauma“, sagt die umtriebige Stadtkonservatorin verständnisvoll. Daß das Monument aber eine Preußenverherrlichung sei, weist Hiltrud Kier zurück. Im Gegenteil. Die aus Graz stammende Stadtkonservatorin („Ich bin als Österreicherin frei davon, besonders preußenfreundlich zu sein“) erzählte den Kölnern, was diese in den letzten hundert Jahren gar nicht gemerkt hatten: „Im Grunde ist das Denkmal eine subtile, aber sehr kritische Auseinandersetzung mit dem König.“ Mit Ausnahme zweier Generäle habe sich keine der 16 Sockelfiguren der besonderen Gnade des Königs erfreut. Insbesondere Blücher, York, Scharnhorst, Gneisenau, Hardenberg, Stein, Humboldt und Ernst Moritz Arndt hätten Friedrich Wilhelm III. postum mit all dem konfrontiert, was dieser zeit seines Lebens unterdrückt habe. Ungewöhnlich für das vergangene Jahrhundert sei zudem, daß so viele Zivilisten (10 an der Zahl) zusammen mit einem König dargestellt seien.