Über tote Gegner läßt sich trefflich trauern. Aber angesichts der Machtkämpfe im Hause Springer erinnert sich die Generation der „Enteignet-Springer“-Demonstranten fast schon mit Wehmut ihres alten Feindbildes. Die brachiale Geschäftspolitik, mit der sich jetzt die Brüder Burda und der Filmkaufmann Kirch im Konzern Geltung verschaffen, ist noch zweieinhalb Jahre nach dem Tode von Axel Springer geeignet, Bewunderung für eine Verlegerpersönlichkeit zu wecken, die noch etwas anderes kannte als das Geschäft.

Seine Nachfolger sind an der Bilanz interessiert, an sonst gar nichts. Die politischen Ideen von Axel „Cäsar“ Springer spielen darum keine Rolle mehr. Was bleibt, ist die Erinnerung – an die haßerfüllte Abneigung, die sie provozierten, an die Furcht, die seine Macht erregte. Bewußt wird nun aber auch, daß Axel Springers Welt nicht nur vom Mammon regiert wurde, sondern von politischen Überzeugungen.

Das Testament, das sein Werk über den Tod hinaus sichern sollte, war kein Schutz gegen die Machtübernahme. Die Erbverwalter, die er zurückließ, machten es jedem einfach, der stärker und gerissener war als sie. (Siehe auch S. 2 und 21)

N. G.