Bei der Präsidentenwahl kämpfen die französischen Kommunisten auf verlorenem Posten.

Vor knapp zwanzig Jahren vereidigte der Präsidentschaftsanwärter der KPF 21 Prozent der Stimmen auf sich. Vor sieben Jahren erzielte der Generalsekretär Georges Marchais 15 Prozent. Diesmal werden sich die Kommunisten zufrieden geben, wenn sie die Hälfte – sieben bis acht Prozent – bekommen.

Ihr Kandidat ist André Lajoinie. Der Generalsekretär Marchais hat ihn vorgeschickt, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Lajoinie entledigt sich der undankbaren Aufgabe mit recht viel Geschick. Der Bauernsohn ist ein einfacher Mann geblieben, dessen südfranzösischer Akzent etwas Gemütliches in die kommunistische Schablonensprache bringt.

Aber das reicht natürlich nicht. Außerdem hat es die Partei diesmal besonders schwer: Neben (und gegen) Lajoinie tritt ein opponierender Reformkommunist an, der frühere KP-Sprecher Pierre Juquin. Einst war er ein linientreuer Propagandist und Intimus von Marchais, jetzt hält er die KP für völlig verkalkt. Der Germanist Juquin versucht, nach dem Vorbild der deutschen Grünen alle möglichen Protestgruppen anzusprechen, doch seine Vergangenheit in der KP-Nomenklatura mindert seine Glaubwürdigkeit.

Jüngste Meinungsumfragen sprechen ihm rund drei Prozent zu. Aus ist der Traum, den offiziellen KP-Kandidaten zu übertrumpfen. Juquin wird sich vor dem zweiten Wahlgang vermutlich für Mitterrand aussprechen. Die Wahlempfehlung von Lajoinie und der KP ist noch ungewiß.

Neben den zwei verkrachten Kommunisten bewirbt sich – schon zum drittenmal – die unermüdliche Trotzkistin Arlette Laguiller, von Beruf Bankangestellte. Die Franzosen nehmen ihre zierliche Arlette, die immer genau bei 2,3 Prozent liegt, nicht ganz ernst – aber sie mögen sie.

Doch diesmal interessiert sich die Öffentlichkeit weniger für die vielen linken Zählkandidaten als für den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen. Wenn er sich auf über zehn Prozent verbessert, wie die Meinungsumfragen suggerieren, könnte der Rechtsaußen Le Pen allein mehr Stimmen ernten als alle Linksaußen zusammengenommen. Ro. W. (Paris)