Von Angela Kandt

Hast du das Geräusch gehört?“ Natürlich ist es mir nicht entgangen, dieses unheimliche Geheule, ganz nah und doch fern wie im Traum. Schakale, Hyänen – oder bloß Hunde? „Wüstenwölfe“, flüstert jemand furchtsam. 16 Frauen liegen wie reglos in ihren Schlafsäcken auf dem steinigen Wüstenboden. Wir sind über 3000 Kilometer von zu Hause entfernt in der kargen Landschaft Syriens.

„Schlaft weiter, wir passen auf“, beruhigt uns Angelika, die Reiseleiterin. Tarek und Ihsan, bei Tage unsere kühnen Fahrer auf den Asphaltstraßen und Sandpisten, werden für diese Nacht auch zu unseren Wächtern.

Der nächste Morgen ist so blau wie jeder Morgen während unserer Syrienreise. Die Sonne hat längst die Kühle der Nacht vertrieben, und wo vor 1200 Jahren inmitten der unwirtlichen Wüstensteppe prachtvolle Gärten lagen, taucht sie heute Ruinenfelder und die wuchtigen Mauern des Wüstenschlosses Qasr-el-Hair-as-Sharqi in sanftes gelbrosa Licht.

Motorengeräusch unterbricht die Stille. Vier Männer springen von der Ladefläche eines roten Chevys, einer fuchtelt mit der Kalaschnikow herum, bei einem zweiten blitzt die Pistole im Gürtel. „Geheimpolizei“, raunt jemand. Doch die Männer klopfen unseren Fahrern auf die Schultern, während ihre Blicke wie zufällig zum „Frauenlager“ hinübergleiten. „Warum denn nur lauter Frauen?“ versucht einer von ihnen mit wenigen Brocken Englisch auszudrücken, eine Frage, die seit unserer Ankunft auf dem Flughafen von Damaskus oft in den Augen seiner Landsleute zu lesen war.

Doch wie sollen wir, bis auf unsere Reiseleiterin arabische Analphabeten, erklären, daß wir auf „Haremsreise“ sind und unser Augenmerk bei der 14tägigen Rundfahrt nicht nur vergangenen Kulturen, sondern vor allem der Gegenwart der syrischen Frau gilt.

Schon beim ersten Frühstück in Damaskus stieß dieses „nur Frauen“ sogar auf Skepsis unter den Teilnehmerinnen. Die einen sprachen aus, was die anderen dachten: „Ob das wohl gut geht?“ Ob Ende 20 (die Jüngste) oder Mitte 40 (die Älteste), ob Sozialpädagogin, Ärztin, Sekretärin oder Beamtin, niemand besaß Erfahrungen mit sogenannten „Frauenreisen“. Fast allen aber hatte bisher der Mut gefehlt, allein in ein islamisches Land zu fahren.