Rotation in Uruguay

Aus Fehlern lernt nur, wer die Folgen selbst gespürt hat. Dies gilt offenbar auch für die weltweite Ökologiebewegung. Während in der Bundesrepublik die Grünen sich längst parlamentarischen Gepflogenheiten angepaßt haben, hält in Uruguay die Ethisch-Ökologische Grüne Partei (PEEV) unverdrossen an grünen Grundprinzipien fest. Ihre künftigen Abgeordneten sollen rotieren, damit sie sich nicht zu sehr von ihrer sozialen Basis, den „Clubs des Lebens“ und den „grünen Einheiten“, entfernen. Erst einmal müssen die Grünen aber ins Parlament von Montevideo gewählt werden – und das dürfte gar nicht so leicht sein.

Gebrannte Kinder

Warum, so fragte ein Kommentator der Washington Post erstaunt, gab es in der amerikanischen Öffentlichkeit keinen Aufschrei, als eine 3200 Mann starke US-Kampftruppe in Honduras landete? Warum reagieren die Bürger der Reagan-Ära nur noch bei persönlicher Betroffenheit und halten sich ansonsten an die Devise „Don’t bother me“? Eine Studie über die politischen Einstellungen der heute 18-44jährigen Amerikaner förderte Erstaunliches zutage: Ein Drittel der Männer erklärte sich bereit, im Notfall Westeuropa zu verteidigen, aber nur neunzehn Prozent würden sich in Ländern der Dritten Welt einsetzen lassen, um sie von dem Abdriften ins kommunistische Lager abzuhalten. Die von Vietnam gebrannten Kinder scheuen offensichtlich das Feuer: Sie wollen nicht mehr Weltgendarm spielen.

Einsame Spitze

Auf dem Tisch liegt das Statistische Jahrbuch Deutscher Gemeinden. Ungeduldig haben wir den 74. Jahrgang dieses Guinness-Buches der kommunalen Rekorde erwartet, bietet er uns doch eine einzigartige Informationsquelle über den Reichtum des Lebens in unserer Republik. Was unser geliebtes Automobil angeht, so haben diesmal die Ingolstädter das Rennen gemacht: Dort kommen auf 1000 Einwohner 618 Kraftfahrzeuge; dichtauf folgt Landau in der Pfalz (592). In der Hansestadt Lübeck gibt es den meisten Lesestoff: 4,6 Bücher stehen jedem Bürger in den öffentlichen Bibliotheken an der Trave zur Verfügung. Folgte da nicht an zweiter Stelle Ulm (4,0), könnte man fast ein Nord-Süd-Gefälle vermuten. Bildungsmäßig, versteht sich.

Gefährliches Erbe

Mögen auch die Sowjets aus Afghanistan abziehen – die Rauschgift-Händler werden bleiben. Zu diesem recht ungewöhnlichen Schluß kamen europäische und asiatische Drogenfahnder auf einer Interpol-Konferenz im indischen Neu-Delhi. Früher wurde der Stoff aus Südostasien durch Afghanistan, den Iran und die Türkei nach Europa geschmuggelt. Als die Russen nach Kabul marschierten und gegen die Aufständischen kämpften, waren die traditionellen Handelswege zu unsicher geworden. Indien entwickelte sich zum Hauptumschlagplatz, Afghanistan stieg zu einem wichtigen Drogen-Produzenten auf: Mit Mohn läßt sich mehr und schneller Geld verdienen als mit Lebensmitteln. Jetzt bezweifeln die Rauschgiftfahnder, daß die Großdealer ihr lukratives Geschäft aufgeben, sobald wieder Frieden im Lande herrscht.