ARD, Samstag, 9. April, 22.10 Uhr: „Die Profi-Killer“, Spielfilm von Stephen Frears

Ein Gerichtssaal in London. Auf der einen Seite sitzen vier Männer: scheinbar ungerührt, verschanzt hinter Sonnenbrillen und Bullterrier-Mienen. Ihnen gegenüber steht ein anderer Mann. Er hat mit ihnen zusammengearbeitet, heute belastet er die alten Freunde. Als er den Zeugenstand verläßt, erheben sich die vier: Wir sehen uns bald, wer weiß wo, wer weiß wann, singen sie, doch eins steht fest: Bald kommt der Tag!

Als der Tag gekommen ist, zehn Jahre später, beginnt die Hauptgeschichte, The Hit, der Treffer, so der Originaltitel des Thrillers von 1984. Stephen Frears, der 1985 den Aufsteiger-Mythos der Thatcher-Jünger (we can do it, was kümmern uns die anderen) durch die Heißmangeln seines „Wunderbaren Waschsalons“ gejagt hat (im Ersten Programm zu sehen am 22. April), schickt hier seine „Profi-Killer“ auf eine Reise durch Spanien, auf Leben und Tod, zum Auftakt der ARD-Reihe „Neues britisches Kino“.

Willie Parker (Terence Stamp), der Kronzeuge von damals, ist in Andalusien untergetaucht. Zehn Jahre lang hat er sich vorbereitet: Du kannst beruhigt sein, denn wir werden uns wiedersehn. Zuerst hat er Angst gehabt, panische Angst. Bald kommt der Tag. Dann hat er Bücher gelesen, über Philosophie. Jetzt glaubt er gefaßt zu sein auf das Unvermeidliche.

Das geschieht, an einem sonnigen Tag, als ihn ein paar Jugendliche in seinem Landhaus überfallen. Die Gangster liefern ihn an den düster-schweigsamen Braddock (John Hurt) aus, dem der Halbstarke Myron (Tim Roth) zur Hand geht, ein Neuling in diesem Geschäft. Die beiden sollen Parker im Auto nach Paris bringen, zur letzten Abrechnung.

Frears schafft die hermetische Atmosphäre einer Gegenwelt, die im Fahrzeug herrscht, während es über staubige carreteras rollt, um das unterschiedliche Verhalten von Menschen zu demonstrieren, die existentiell bedroht sind. Der entführte Parker überrascht dabei seine Bewacher durch stoische Ruhe: „Der Tod ist so natürlich wie das Atmen. Warum also Angst haben?“ Er versucht nicht zu fliehen, trotz entsprechender Gelegenheiten: „Der Tod ist nur eine Station auf unserer Reise. Wir entgehen ihm nicht.“ Das sind schöne Sätze, die Parker freilich fast zu einem Stichwortgeber für hehre Weisheiten über Werden und Vergehen machen. Frears fängt das Pathos rechtzeitig auf, indem er die Außenwelt in die geschlossene Gesellschaft einbrechen läßt: in Gestalt der Geisel Maggie (Laura del Sol), die Braddock und Myron unterwegs aufgelesen haben.

Die Spanierin will sich nicht in ihr Schicksal fügen: Sie kämpft mit allen Mitteln um ihr Leben. Laura del Sol kann dabei Schauspielkünste verwerten, die sie schon als Partnerin von Antonio Gades in Sauras „Carmen“-Adaption gezeigt hat. Als Braddock zum Schluß die Pistole auf Maggie richtet, springt sie ihn an, reißt ihn zu Boden. Sie ringen miteinander, keuchen – beinahe ein gewalttätiger Liebesakt. Am Ende liegt Braddock auf der Erde, getroffen von mehreren Kugeln. Maggie, das Gesicht blutverschmiert, schaut ihn an. Er erwidert ihren Blick. Dann schließt er die Augen. Sie wendet sich ab.