Von Ulrike Meyer

Als Friedrich Kurz 1985 erstmals in Hamburg öffentlich auftrat, wurde er mißtrauisch beobachtet. „Cats“? Ein Musical, bei dem sich nur Katzen auf der Bühne tummeln? Daß der Produzenten-Newcomer Kurz, ein schwäbischer Mr. Nobody mit Wohnsitz London, mit diesem angelsächsischen Erfolgsstück des Jung-Komponisten Andrew Lloyd Webber das marode Hamburger Operettenhaus auf ein solides Fundament stellen wollte – das schien damals das naive Wunschdenken eines Phantasten zu sein.

Inzwischen sind die Unkenrufe, die den Start der Hamburger Katzen-Show begleiteten, längst verstummt. Denn Kurz hat die selbstgesteckten Ziele, die ihm den Hohn der Szene-Kenner eintrugen, gar noch überboten. Mindestens zwei Jahre wollte er ursprünglich Tag für Tag „Cats“ auf die Operettenhaus-Bühne bringen. Die Frist ist nun um – und das 1100-Plätze-Haus unverändert zu 97 Prozent ausgelastet. Der Produzent rechnet jetzt mit fünf Jahren Laufzeit.

Kein Wunder, daß es dabei noch wohltönender als erwartet in den Kassen klingelt. Die 8,5 Millionen Mark, die Kurz mit Hilfe von vierzig Investoren in die Produktion gesteckt hatte, waren bereits achteinhalb Monate nach der Premiere eingespielt. Die Geldgeber ziehen nun seit Januar 1987 Gewinne aus dem Katzen-Spektakel. Denn bei Eintrittspreisen bis zu hundert Mark werden im Haus an der Reeperbahn rund drei Millionen Mark Umsatz pro Monat gemacht. Wovon offenbar eine Million als Gewinn übrigbleibt.

Am New Yorker Broadway und im Londoner West End, wo Musicals lange schon ihr Massenpublikum finden, sind Produktionen mit privaten Finanziers an der Tagesordnung. In der Bundesrepublik hat Friedrich Kurz damit (wohlkalkuliertes) Neuland betreten. Sein Erfolgsrezept: ein üppiges Bühnenbild und aufwendige Kostüme, Choreographie und Inszenierung strikt nach dem Vorbild des Londoner Originals. Und vor allem ein Werbe-Programm, das seinesgleichen sucht und „Cats“ wirksam ins Gerede brachte. Von der Armbanduhr bis zur Fiat-Sonderserie ließ er viele Produkte mit gelben Katzenaugen verzieren.

„Ich bin Geschäftsmann und kein Freak“, betont der 39jährige Schwabe, der in der biederen Kleinstadt Nürtingen am Neckar geboren wurde, dort Textilkaufmann lernte und mit neunzehn der Bundeswehr in die USA entwischte. Dort versuchte er sich vom Skilehrer bis zum Fußballprofi in den verschiedensten Jobs, bevor er am Betheny College in West Virginia Wirtschaft studierte. Als er 1976 der Neuen Welt den Rücken kehrte, ließ er sich in London nieder: „Ich habe dort Investments vermittelt und selbst investiert. In alles, was lukrativ war.“ Unter anderem in das gewinnbringende Musical „Evita“, geschrieben und produziert vom Goldjungen der britischen Komponisten-Szene, von Andrew Lloyd Webber.

Daß sich ähnliche Gewinne mit Musik und Tanz auch in seiner deutschen Heimat realisieren lassen müßten, dessen war sich der Investment-Berater bald gewiß. Und es kostete ihn wenig Mühe, davon auch Hamburgs Kulturbehörde zu überzeugen.