Das wird Franz Josef Strauß wohl selber nicht ganz ernst gemeint haben“, sagte Kanzleramtsminister Schäuble zum Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten, künftig über die Koalitionssitzungen Tonbandprotokolle anzufertigen. Schäuble sprach auch in eigener Sache, denn er hat bisher die Gespräche ausgewertet – in sogenannten „Ergebnisvermerken“. Und ihm erscheint das ausreichend, nicht ohne Grund: „Bei Koalitionsverhandlungen darf nicht alles bis ins Detail geregelt werden, sonst geht das Ganze schief.“

Wie das schiefgehen kann, darüber lassen sich die schönsten Vermutungen anstellen. Eine steuerte die SPD bei: Die Koalition solle doch einen Notar hinzuziehen, der die Richtigkeit der Protokolle beglaubige. Wobei natürlich sofort die Frage entsteht: Wieso nur einen? Da müßten sich die Kontrahenten schon wieder einig sein.

Im übrigen stellen solche Protokolle natürlich auch eine Einladung zu gezielten Indiskretionen dar. Wer könnte es zum Beispiel Staatsminister Stoiber verdenken, wenn er, im Interesse Bayerns und Deutschlands, der Öffentlichkeit klarmacht, daß die FDP schon wieder ein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen und damit den Sinn verfälscht habe? Worauf die FDP, was bliebe ihr anderes übrig, die Störenfriede in München an den Pranger stellen würde. Und am Ende müßte unser Kanzler wieder auf den Tisch hauen.

Ein Glück, daß in München solche Mißverständnisse nicht entstehen können; dort gilt noch die Maxime: Strauß bleibt der Größte. Dort wurde jetzt auch das Buch „Strauß in Moskau und im südlichen Afrika“ vorgestellt, verfaßt von Bayernkurier-Chefredakteur Wilfried Scharnagl, „ein Werk“, so Stoiber in seiner Laudatio, „das nach den perspektivischen Verzerrungen vieler Schnappschüsse eine gleichsam unbestechliche, detailgerechte Großaufnahme dieser beiden großen außenpolitischen Reisen von Franz Josef Strauß liefert und der europäischen, der weltpolitischen Dimension im Wirken des bayerischen Ministerpräsidenten auch publizistisch den Rang verleiht, der ihr zukommt.“ Das mußte ja mal gesagt werden.

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Heiner Geißler hält nicht nur die CDU, sondern auch die FDP auf Trab. Außenminister Genscher unterstützte Geißler darin, daß er „die deutschen Anliegen einbetten will in eine europäische Übereinstimmung“. Genscher hält dies „für die wertvollste Erkenntnis nach dem Zweiten Weltkrieg“. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Solms dagegen macht sich Sorgen, „ob die CDU dem gefährlichen Weg ihres Generalsekretärs Heiner Geißler hin zu einer Umverteilungspartei sozialdemokratischer Prägung folgen wird oder ob sie sich auf ihre alten Tugenden einer marktwirtschaftlichen Orientierung besinnt“. Es wäre doch gelacht, wenn sich die FDP an dem Feuer, das die CDU ihrem Generalsekretär macht, nicht auch ein wenig wärmen könnte.

Daß in der Koalition um die Südafrikapolitik und über das Ausländerrecht gestritten wird, gehört zu ihrem normalen Erscheinungsbild. Neu ist dagegen, daß auch das Hochwasser die Parteien trennt. Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Wolfgramm, verkündete in geradezu fahrlässiger Ubereinstimmung mit den Grünen: „Der immer stärker gewordene Eingriff des Menschen in Wasserkreisläufe durch Gewässerbegradigung, Kanalisierung, Bodenversiegelung, Flurbereinigung, Entwässerung, intensivere Ufer- und Landschaftsnutzung, Umfunktionierung traditioneller Überschwemmungsgebiete und viele andere anthropogene Einflüsse haben offensichtlich auch die Hochwassergefahren verstärkt. Dieser Entwicklung ist Einhalt zu gebieten.“