Von Cordt Schnibben

Das erste Mal schaltet er mein kleines Kassettengerät aus, als unser Gespräch um seinen Wechsel vom Bonner ARD-Studio in die Vorstandsetage des Bertelsmann-Konzerns kreist, und letztmalig drückt er auf die Stop-Taste, als ich wissen möchte, welche seiner acht Chefredakteurskollegen in der ARD er für inkompetent hält. Dazwischen liegen sieben weitere Notbremsungen.

Rolf Schmidt-Holtz ist eigentlich ein außerordentlich gesprächiger Mensch. Da er selbst zugibt, sich vor gut zehn Jahren um den Geschäftsführerposten des Gebrauchtwagenhändler-Verbandes beworben zu haben, kann man seine Mitteilungslust ruhig mit dem Redefluß eines Gebrauchtwagenverkäufers vergleichen, eines außerordentlich erfolgreichen selbstverständlich. Er ist nicht Sprecher der Autohändler geworden, sondern Fernsehchefredakteur des Westdeutschen Rundfunks, und darum muß er gelegentlich vorsichtiger formulieren, als es ihm liegt und lieb ist.

Er ist zwar mächtig, schließlich bestimmt er die Berichterstattung des mächtigsten Fernsehsenders der ARD aber er muß die Macht der anderen acht Sendeanstalten fürchten, mit denen er zusammen das aktuell-politische Programm auf dem ersten Kanal macht.

Erst vor knapp zwei Jahren ist Schmidt-Holtz in die Neuner-Runde vorgedrungen, zudem mit 37 Jahren als weitaus jüngster, dennoch hat er längst das Kommando übernommen. „Ich wollte und will den WDR zum Informationssender Nummer eins machen in der ARD, und die ARD zum unumstritten besten Informationskanal.“

Zwei Tage nachdem er seinen langen Marsch in Köln angetreten hatte, als Entdeckung des neuen WDR-Intendanten Friedrich Nowottny, moderierte er bereits seine erste lange Sondersendung, zu Tschernobyl. Es folgten viele weitere „Brennpunkte“, so heißt die Sendung am Mittwochabend, deren Thema immer erst kurzfristig bestimmt wird. Schmidt-Holtz nimmt sie als einziger der Chefredakteure so ernst, daß er eine Einsatztruppe aus sieben Redakteuren formierte. Wenn er in den Tagesthemen kommentiert, macht er das mit Lust an der Meinung und in einer scharfen Sprache, eine unter seinen Kollegen nur von Ulrich Kienzle und Jürgen Engert gepflegte Tugend. Von wem in der Neuner-Runde er denn am meisten gelernt habe? Schmidt-Holtz drückt die Stop-Taste.