Aktien Wachstums starker Firmen werden unter Wert gehandelt

Der Dollar bestimmt immer noch das Geschehen an den deutschen Börsen, jeder Wertverlust des greenback verstärkt die Abgabebereitschaft der Anleger und zieht entsprechende Kurseinbußen nach sich. Dabei geraten auch die Aktien solcher Gesellschaften in den Abwärtsstrudel, die von einem niedrigeren Dollarkurs überhaupt nicht oder nur geringfügig betroffen wären.

Zu diesen Unternehmen zählt beispielsweise der Herrenausstatter Boss, der noch in den siebziger Jahren in der heimischen Textilbranche als tapferes Schneiderlein galt und sich mittlerweile nach hartem Konkurrenzkampf längst international einen Namen gemacht hat. Den Grundstein für die erfolgreichste Bekleidungsfirma Deutschlands legte 1923 Hugo Boss, der damals noch langweilige Uniformen und schnöde Arbeitsanzüge („Blauer Anton“) anfertigte. Zwei Generationen später übernahmen die beiden Enkel Jochen und Uwe Holy das Ruder und brachten neuen Schwung in das Familienunternehmen. Lag der Boss-Umsatz 1969 noch bei bescheidenen neun Millionen Mark, setzten die Holy-Brüder im vergangenen Jahr gut eine halbe Milliarde Mark um.

Ihre Arbeit lassen sich die pfiffigen Familien-Manager freilich fürstlich honorieren. Das jährliche Salär beträgt stolze 1,65 Millionen Mark. Dafür leisten sie auch ganze Arbeit. Der Herrenbekleider setzt ganz auf Qualität und kann sich mit dieser Masche selbst gegen die Modezaren aus Italien und Frankreich behaupten. Um die Produktionskosten im Rahmen zu halten, wird ein großer Teil der Kollektion im südosteuropäischen Ausland sowie in Hongkong hergestellt. Eine Aufwertung der Mark kommt Boss daher auf der Ausgabenseite sehr zugute.

Das vergangene Jahr zeigte eindrucksvoll, daß die Marke Boss weiterhin stark nachgefragt wird. So wurde der Jahresüberschuß gleich um 63 Prozent auf 22,5 Millionen Mark gesteigert. Exakt auf diesen Betrag wird Boss sein Grundkapital durch die Ausgabe von Gratisaktien im Verhältnis zwei zu eins erhöhen. Für die Aktionäre springt dabei ein attraktives Bezugsrecht heraus.

Auch an der Börse hat Boss einen exklusiven Preis. Mit 1900 Mark gehört das Papier zu den teuersten Industriewerten, die der deutsche Kurszettel zu bieten hat. Das flotte Wachstum rechtfertigt allerdings den nur optisch hohen Boss-Kurs und läßt alte Höchststände als möglich erscheinen.

Voll auf Wachstum scheint auch die Info AG programmiert. Der Börsenneuling von 1987 sorgte gleich zum Start für Furore. Denn der erste Kurs für die zu 350 Mark emittierte Aktie wurde mit 450 Mark festgestellt, in der Spitze kletterte er gar auf über 800 Mark, ehe der Crash im Oktober den rasanten Kursanstieg jäh bremste.