Von Willi Winkler

Henry Green ist vielleicht der unbekannteste unter den großen Schriftstellern dieses Jahrhunderts. Auf ihn hinzuweisen, bringt bestimmt einen schönen Distinktionsgewinn, aber ob deshalb seine Bücher (wenigstens auf englisch, wenn sie auf deutsch schon nicht zu haben sind) mehr gelesen werden?

Vielleicht hilft ein wenig human interest: Henry Green ist auch eine der traurigsten Schriftstellerexistenzen. Als ihn wenige Monate vor seinem Tod ein Reporter des Guardian aufspürte – die Veröffentlichung seines letzten Buches lag mehr als zwanzig Jahre zurück –, hatte er längst mit allem abgeschlossen: "Ich bin inzwischen vergessen. Das ist zwar schade, aber auch nicht zu ändern."

Schon sein Name bringt potentielle Leser in Schwierigkeiten, die sich gerade erst daran gewöhnt haben, daß es neben einem Graham Greene noch einen Julien Green gibt: Muß das sein?

Ja, allerdings. Doch zuerst die versprochene Illustriertengeschichte. Seinen ersten Roman begann er in Eton. "Blindness" wurde veröffentlicht, als sein Autor noch in Oxford studierte. Da war er gerade 21. Gleich nach der Publikation ging er von der Universität ab, lebte zwei Jahre unter den Arbeitern der väterlichen Fabrik und übernahm anschließend selbst die Leitung der Firma. Dreißig Jahre lang stand er einem Unternehmen vor, das Brauereien mit Sudtöpfen und Pubs mit Wasserklosetts (die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachten, wie sein Jahrgangsgefährte Antony Powell maliziös anmerkt) belieferte. Als er diese literaturfremde Tätigkeit Mitte der fünfziger Jahre aufgab, hatte er auch zum Schreiben keine Lust mehr.